Das Wichtigste auf einen Blick
- Bei Fälligkeit bleibt beim gewöhnlichen Optionsschein kein Zeitwert für eine spätere Kurschance übrig.
- Die Rückzahlung hängt von Referenzkurs, Strike, Bezugsverhältnis und Abrechnungsbedingungen ab.
- „Im Geld“ beschreibt einen positiven inneren Wert; es bedeutet nicht automatisch Gewinn gegenüber deinem Kaufpreis.
- Letzter Handelstag, Bewertungstag und Zahlungstag können auseinanderliegen.
Prüfe die Auszahlung an verschiedenen Bewertungskursen
Hypothetischer gewöhnlicher Call-Optionsschein mit Barausgleich: Strike 100 €, Bezugsverhältnis 0,1. Kauf: 100 Stück zu 1,20 € = 120 €, ohne Gebühren. Keine Barriere.
Im Geld
- Einlösung je Stück
- 1,00 €
- Rückzahlung für 100 Stück
- 100,00 €
- Ergebnis gegenüber 120 € Kaufbetrag
- -20,00 €
Rechenweg: max(110,00 € − 100,00 €, 0,00 €) × 0,1 = 1,00 € je Stück. Auszahlung × 100 − Kaufbetrag = -20,00 €.
Bei der Voreinstellung 110 € liegt der Call im Geld und wird mit 100 € zurückgezahlt. Gegenüber 120 € Kaufbetrag bleiben trotzdem 20 € Verlust. Die Verlustgrenze des vollständig bezahlten Beispielscheins liegt bei 120 € vor Kosten.
Wir betrachten einen gewöhnlichen Call-Optionsschein
Ein Optionsschein ist ein vom Emittenten ausgegebenes Wertpapier. Du kaufst einen Anspruch gegen diesen Emittenten. Ein gewöhnlicher Call bezieht sich auf steigende Kurse, ein Put auf fallende. Du hältst dabei keinen standardisierten Optionskontrakt einer Terminbörse.
Unser Beispiel ist ein vollständig bezahlter Call auf eine Aktie mit festem Laufzeitende und Barausgleich. Er hat keine Knock-out-Barriere. Turbo-Optionsscheine und andere Sonderkonstruktionen können anders enden und brauchen ihre eigenen Regeln. Der Name „Optionsschein“ allein reicht zur Bestimmung der Rückzahlung nicht aus.
Während der Laufzeit setzt sich sein Preis aus innerem Wert und Zeitwert zusammen. Der innere Wert zeigt den positiven Abstand zum Strike, berücksichtigt um das Bezugsverhältnis. Der Zeitwert bildet die verbleibende Chance auf eine günstigere Entwicklung ab. Am Laufzeitende fällt diese zusätzliche Zeitkomponente weg.
Strike 100 €: drei Lagen am Bewertungstag
Die Annahmen bleiben in allen Szenarien gleich: Strike 100 €, Bezugsverhältnis 0,1, Kaufpreis 1,20 € pro Stück und 100 gekaufte Stück. Dein Kaufbetrag ist 120 €. Es gibt im Beispiel keine Gebühren, keine Währungsumrechnung und keine besonderen Anpassungsereignisse.
Für diesen einfachen Call mit Barausgleich nehmen wir folgende Einlösungsregel an: positiver Unterschied zwischen maßgeblichem Aktienkurs und Strike, multipliziert mit 0,1. Liegt der Kurs nicht über dem Strike, beträgt der Einlösungsbetrag null. Es entsteht kein negativer Einlösungsbetrag.
Bei 120 € liegt der Call im Geld: (120 € − 100 €) × 0,1 = 2 € je Stück. Für 100 Stück sind das 200 € Rückzahlung und 80 € Gewinn gegenüber dem Kaufbetrag. Bei 110 € bleiben 1 € je Stück beziehungsweise 100 € Rückzahlung. Trotz positivem inneren Wert hast du dann 20 € Verlust.
Bei genau 100 € liegt der Call am Geld und hat in dieser einfachen Formel keinen inneren Wert. Bei 90 € liegt er aus dem Geld. In beiden Fällen ist die Rückzahlung null; der Kaufbetrag von 120 € ist verloren. Die Aktie muss dafür nicht selbst wertlos geworden sein.
| Maßgeblicher Aktienkurs | Lage / je Stück | 100 Stück: Rückzahlung / Ergebnis |
|---|---|---|
| 120 € | Im Geld / 2,00 € | 200 € / +80 € |
| 110 € | Im Geld / 1,00 € | 100 € / −20 € |
| 100 € | Am Geld / 0,00 € | 0 € / −120 € |
| 90 € | Aus dem Geld / 0,00 € | 0 € / −120 € |
Tabelle seitlich verschieben, um alle Spalten zu lesen.
Hypothetische Szenarien desselben Calls. Ergebnis jeweils vor Kosten und Steuern. Die Formel setzt einen gewöhnlichen Call mit der angegebenen Euro-Barausgleichsregel voraus.
Drei Termine, die du getrennt prüfen solltest
Der letzte Handelstag ist die letzte Möglichkeit, das Papier über den jeweiligen Handelsplatz zu verkaufen. Die Uhrzeit und der letzte außerbörsliche Handel können anders geregelt sein. Ein noch sichtbarer Depotkurs bedeutet nicht automatisch, dass du noch zu diesem Preis verkaufen kannst.
Am Bewertungstag beziehungsweise am Ende der Ausübungsfrist wird der maßgebliche Referenzkurs festgestellt. Das kann beispielsweise ein Auktionskurs oder ein festgelegter Schlusskurs sein. Die Produktbedingungen benennen Börse, Zeitpunkt und Verfahren. Der Kurs, den eine allgemeine Aktien-App gerade zeigt, muss dafür nicht zählen.
Der Zahlungstag folgt der Feststellung des Betrags. Die Gutschrift läuft über Emittent und Depotbank. Bei den in der HSBC-FAQ beschriebenen Standard-Optionsscheinen wird ein positiver Betrag automatisch innerhalb von fünf Bankarbeitstagen nach dem maßgeblichen Ausübungstermin gutgeschrieben; der letzte Börsenhandelstag liegt dort normalerweise einen Bankarbeitstag davor. Das ist eine Emittentenbeschreibung, keine universelle Terminregel.
- Letzte Verkaufschance: Handelsplatz und Uhrzeit prüfen.
- Bewertung: verbindlichen Referenzkurs und Termin prüfen.
- Gutschrift: Zahlungsfrist und Depotabrechnung prüfen.
Barausgleich ist häufig – die eigene ISIN entscheidet
Barausgleich bedeutet, dass der Anspruch durch einen Geldbetrag erfüllt wird. Du erhältst im Beispiel keine Aktien und musst auch keine Aktien kaufen. Eine Lieferung des Basiswerts oder ein anderes Verfahren gilt nur, wenn die Bedingungen dies vorsehen.
Bei vielen gewöhnlichen Optionsscheinen wird ein positiver Einlösungsbetrag am Ende automatisch abgerechnet. Eine mögliche freiwillige Ausübung während der Laufzeit ist ein anderer Vorgang und kann Erklärungen, Fristen oder Kosten auslösen. Übertrage deshalb weder die Ausübungsregeln eines börsengehandelten Aktienoptionskontrakts noch die FAQ eines anderen Emittenten ungeprüft auf dein Papier.
Wenn dein Produkt bald endet, kannst du zuerst die endgültigen Bedingungen anhand der ISIN aufrufen. Dort suchst du nach Einlösungsbetrag, Bewertungstag, maßgeblichem Kurs, Fälligkeit und Zahlungsart. Bei Unklarheiten helfen Emittent und Depotbank, die konkreten Abläufe und gegebenenfalls nötigen Erklärungen zu klären.
Welche Beträge dein Ergebnis verändern können
Vor Fälligkeit ist ein Verkauf grundsätzlich eine eigene Preisentscheidung: Du vergleichst den ausführbaren Geldkurs, den möglichen Zeitwert und die Kosten. Der vorher gezahlte Briefkurs gehört in die Ergebnisrechnung. Unser fester Kaufpreis von 1,20 € ist nur eine Annahme, keine aktuelle Preisstellung.
Beim gewöhnlichen vollständig bezahlten Beispielschein fällt keine separate CFD-Übernachtfinanzierung an. Zinsen und erwartete Dividenden können aber bereits die Preisbildung während der Laufzeit beeinflussen. Handels- und gegebenenfalls Abwicklungskosten müssen zusätzlich anhand des Brokers geprüft werden.
Ein positiver rechnerischer Einlösungsbetrag ist ein Anspruch gegen den Emittenten. Dessen Ausfallrisiko bleibt bestehen. Für den Käufer unseres vollständig bezahlten einfachen Calls kann das eingesetzte Geld einschließlich Kosten verloren gehen; aus der dargestellten Einlösungsformel entsteht keine zusätzliche Zahlungspflicht. Das ist keine Aussage über andere Produkte oder über kreditfinanzierte Käufe.
Für Fortgeschrittene: Einlösungsformel und Gewinnschwelle
Für den angenommenen einfachen Euro-Call lautet die Formel je Stück: max(Referenzkurs − Strike, 0) × Bezugsverhältnis. Der Referenzkurs wird vertraglich festgelegt. Das Bezugsverhältnis 0,1 entspricht hier einem Zehntel des positiven Euro-Abstands. Es ist nicht automatisch der Kontraktmultiplikator einer gelisteten Option.
Mit Kaufpreis 1,20 € ergibt sich ohne Kosten eine Gewinnschwelle von 100 € + 1,20 € / 0,1 = 112 € am Bewertungstag. Dann beträgt die Rückzahlung 1,20 € je Stück, für 100 Stück also 120 €. Vor Fälligkeit lässt sich diese reine Endabrechnung nicht als vollständige Preisformel verwenden: Dort ist der Zeitwert noch relevant.
Bei Put-Optionsscheinen wird die Richtung des positiven Abstands umgekehrt. Fremdwährungsprodukte, Quanto-Regeln, Ausübungsarten, Anpassungen und Marktstörungen können die einfache Rechnung verändern. Für diese Fälle sind die genauen Emissionsbedingungen erforderlich.
Was du als Nächstes verstehen kannst
- Warum ein Call trotz steigender Aktie fallen kann
Zeitwert, Volatilität und Spread vor dem Laufzeitende verstehen.
- Optionen und Optionsscheine unterscheiden
Emittentenpapier und börsengehandelten Kontrakt getrennt betrachten.
Glossar
- Strike
- Ausübungspreis, mit dem der maßgebliche Referenzkurs verglichen wird.
- Bezugsverhältnis
- Faktor, mit dem der positive Kursabstand je Optionsschein umgerechnet wird.
- Innerer Wert
- Der am Bewertungstag positive Abstand zum Strike, angepasst um das Bezugsverhältnis.
- Barausgleich
- Erfüllung des Anspruchs durch eine Geldzahlung statt durch Lieferung des Basiswerts.
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