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Wie entstehen Optionspreise?

Der Preis einer Option (die Prämie) wirkt zunächst rätselhaft. Tatsächlich setzt er sich aus nur wenigen, logischen Bausteinen zusammen. Wer sie versteht, versteht, warum Optionen steigen und fallen.

Zwei Bausteine: innerer Wert + Zeitwert

Jeder Optionspreis lässt sich in genau zwei Teile zerlegen. Der innere Wert (englisch: intrinsic value) ist das, was die Option sofort wert wäre, wenn sie jetzt fällig würde. Beispiel: Sie besitzen eine Kaufoption (Call) mit Ausübungspreis 100 €, die Aktie steht bei 108 €. Dann hat die Option 8 € inneren Wert – so viel könnten Sie sofort herausholen. Der Zeitwert (englisch: time value) ist alles, was darüber hinaus im Preis steckt. Kostet die Option 11 €, entfallen also 3 € auf den Zeitwert.

Innerer Wert

Sofort einlösbar. Hängt nur vom Abstand zwischen Kurs und Ausübungspreis ab.

Zeitwert

Der Aufpreis für die Chance, dass sich der Kurs noch bewegt. Schwindet bis zum Verfall auf null.

Warum die Zeit gegen den Käufer arbeitet

Der Zeitwert ist eine Art Wette auf die verbleibende Zeit. Je mehr Zeit bis zum Verfall bleibt, desto mehr Gelegenheit hat der Kurs, sich zu Ihren Gunsten zu bewegen – deshalb ist der Zeitwert höher. Mit jedem Tag, der vergeht, schrumpft dieses Zeitfenster, und der Zeitwert nimmt ab. Diesen Vorgang nennt man Zeitwertverfall (englisch: time decay), und die Kennzahl dafür ist Theta. Der Verfall verläuft nicht gleichmäßig: In den letzten Wochen vor dem Verfallstag beschleunigt er sich deutlich. Für Optionskäufer ist das ein steter Gegenwind, für Optionsverkäufer dagegen ein Rückenwind.

Deshalb kann eine Option an Wert verlieren, obwohl die Aktie sich kaum bewegt hat: Der schwindende Zeitwert frisst den Preis auf. Mehr dazu in unserem Greeks-Guide (Theta).

Volatilität: der oft unterschätzte Preistreiber

Der dritte große Einfluss auf den Optionspreis ist die erwartete Schwankungsbreite, die sogenannte implizite Volatilität (IV). Sie beschreibt, wie stark der Markt eine Bewegung des Basiswerts bis zum Verfall erwartet. Je größer die erwartete Bewegung, desto wertvoller die Option – denn eine wilder schwankende Aktie hat eine höhere Chance, den Ausübungspreis deutlich zu überschreiten. Das Faszinierende daran: Optionen können teurer oder billiger werden, ohne dass sich der Aktienkurs überhaupt bewegt. Steigt allein die erwartete Volatilität (etwa vor einem wichtigen Termin wie den Quartalszahlen), steigt auch die Prämie.

Genau hier lauert eine klassische Anfängerfalle: Man kauft vor den Quartalszahlen eine teure Option, die Aktie bewegt sich wie erhofft – und trotzdem verliert man Geld, weil nach dem Ereignis die Volatilität und damit die Prämie einbricht (der berüchtigte „IV Crush"). Wie Sie hohe von niedriger Volatilität unterscheiden, erklärt unser Implied-Volatility-Guide.

Alles zusammen: die fünf Zutaten

Fachleute berechnen den „fairen" Optionspreis mit Modellen (das bekannteste ist Black-Scholes), aber die Idee dahinter ist einfach. Fünf Zutaten bestimmen den Preis: der aktuelle Kurs des Basiswerts, der Ausübungspreis, die Restlaufzeit, das Zinsniveau und die erwartete Volatilität. Verändert sich eine dieser Zutaten, verändert sich der Preis – und die Greeks sind einfach die Kennzahlen, die messen, wie empfindlich der Preis auf jede Zutat reagiert. Über all dem bleibt aber ein Prinzip bestehen: Gehandelt wird am Ende im Orderbuch, aus Angebot und Nachfrage. Das berechnete Modell liefert den Orientierungswert, um den herum echte Käufer und Verkäufer den tatsächlichen Preis aushandeln.

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Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen innerem Wert und Zeitwert?

Der innere Wert ist der Teil des Optionspreises, den Sie sofort einlösen könnten – die Differenz zwischen Aktienkurs und Ausübungspreis, wenn sie zu Ihren Gunsten steht. Der Zeitwert ist alles darüber hinaus: der Aufpreis dafür, dass sich der Kurs bis zum Verfall noch weiter in Ihre Richtung bewegen könnte. Am Verfallstag ist der Zeitwert null, es bleibt nur der innere Wert.

Warum verliert eine Option mit der Zeit an Wert?

Weil der Zeitwert schwindet, je näher der Verfall rückt (das nennt man Zeitwertverfall oder Theta). Weniger verbleibende Zeit bedeutet weniger Gelegenheit für eine günstige Kursbewegung – also ist die Option weniger wert. Dieser Verfall beschleunigt sich in den letzten Wochen vor dem Verfallstag.

Was bedeutet implizite Volatilität für den Preis?

Die implizite Volatilität (IV) ist die vom Markt erwartete Schwankungsbreite. Je höher die erwartete Bewegung, desto teurer die Option – denn eine größere mögliche Bewegung erhöht die Chance, dass sich die Option lohnt. Steigt die IV, werden Optionen teurer; fällt sie, werden sie billiger, selbst wenn der Aktienkurs sich nicht bewegt.

Sind Optionspreise nicht einfach nur Angebot und Nachfrage?

Im Kern ja – auch Optionen werden im Orderbuch aus Angebot und Nachfrage gehandelt. Der Unterschied ist, dass ihr „fairer" Preis aus mehreren Bausteinen berechenbar ist: Aktienkurs, Ausübungspreis, Restlaufzeit, Zinsen und erwartete Volatilität. Angebot und Nachfrage bewegen den Preis um diesen berechneten Wert herum.

Woher weiß ich, ob eine Option teuer oder billig ist?

Der beste Anhaltspunkt ist die implizite Volatilität im Vergleich zu ihrer Vergangenheit (Werkzeuge wie IV Rank helfen dabei). Ist die IV im Vergleich hoch, sind Optionen tendenziell teuer – gut für Verkäufer. Ist sie niedrig, sind sie eher günstig – interessanter für Käufer. Unser IV-Guide erklärt das im Detail.