Das Wichtigste auf einen Blick
- Eine steigende Aktie hilft einem gewöhnlichen Call grundsätzlich, wenn alles andere gleich bleibt.
- Zeitwert und implizite Volatilität können gleichzeitig sinken und diesen Effekt überlagern.
- Dein Kauf erfolgt zum Briefkurs; für einen Verkauf ist der Geldkurs wichtig.
- Ein Optionsschein ist ein Wertpapier eines Emittenten. Er ist kein börsengehandelter Optionskontrakt.
Die Aktie steigt. Der Zeitwert fällt stärker.
Aktie: 100 € → 102 €
Call-Geldkurs: 1 € → 0,70 €
Zu Beginn
- Innerer Wert
- 0 €
- Zeitwert, angenommen
- 1 €
- Geldkurs
- 1 €
Später
- Innerer Wert
- 0,20 €
- Zeitwert, angenommen
- 0,50 €
- Geldkurs
- 0,70 €
+0,20 € innerer Wert − 0,50 € Zeitwert = −0,30 € Geldkursänderung
Ein Beispiel mit derselben Aktie und demselben Optionsschein
Du betrachtest einen gewöhnlichen Call-Optionsschein auf eine Aktie. Der Strike – auch Basispreis – liegt bei 100 €. Das Bezugsverhältnis beträgt 0,1: Ein Euro positiver Abstand der Aktie zum Strike entspricht 0,10 € innerem Wert pro Schein. Der Schein hat eine feste Laufzeit und in diesem Beispiel keine Knock-out-Barriere.
Zu Beginn steht die Aktie bei 100 €. Der angenommene Geldkurs des Scheins beträgt 1 €, der Briefkurs 1,04 €. Geldkurs heißt: der Preis, zu dem du verkaufen kannst. Briefkurs heißt: der Preis, zu dem du kaufen kannst. Du kaufst einen Schein für 1,04 €. Gebühren lassen wir zur Übersicht weg.
Später steht die Aktie bei 102 €. Der Call besitzt jetzt 0,20 € inneren Wert: (102 € − 100 €) × 0,1. Sein angenommener Zeitwert ist aber von 1 € auf 0,50 € gefallen. Der neue Geldkurs beträgt daher nur noch 0,70 €. Bei einem Verkauf erhältst du 0,34 € weniger als deinen Kaufpreis, obwohl die Aktie um 2 € gestiegen ist.
| Beobachtung | Zu Beginn | Später |
|---|---|---|
| Aktienkurs | 100 € | 102 € |
| Strike / Bezugsverhältnis | 100 € / 0,1 | 100 € / 0,1 |
| Innerer Wert je Schein | 0 € | 0,20 € |
| Angenommener Zeitwert im Geldkurs | 1 € | 0,50 € |
| Verkaufbarer Geldkurs | 1 € | 0,70 € |
| Dein anfänglicher Kaufpreis | 1,04 € | Unverändert: 1,04 € |
Tabelle seitlich verschieben, um alle Spalten zu lesen.
Die Kurse und der Rückgang des Zeitwerts sind frei gewählte Annahmen, keine Live-Daten. Aus dem Aktienkurs allein lässt sich der angenommene neue Optionsscheinpreis nicht ableiten.
Weniger Zeit bedeutet weniger verbleibende Möglichkeiten
Innerer Wert ist der positive Abstand zum Strike, angepasst um das Bezugsverhältnis. Zeitwert ist der darüber hinausgehende Preisanteil. Er bezahlt die noch verbleibenden Möglichkeiten bis zum Laufzeitende. Ein Call kann deshalb vor dem Verfall einen Preis haben, obwohl die Aktie noch unter seinem Strike liegt.
Mit weniger Restlaufzeit wird dieser Spielraum kleiner. Unter sonst gleichen Bedingungen belastet das den Preis eines gewöhnlichen Call-Optionsscheins. Der Abbau verläuft nicht jeden Tag gleich. Er ist auch keine feste Gebühr, die einfach vom Depot abgezogen wird.
Im Beispiel gewinnt der innere Wert 0,20 €, während der Zeitwert 0,50 € verliert. Der positive Abstand zum Strike reicht deshalb nicht aus, um den Rückgang des anderen Preisanteils zu ersetzen.
Weniger eingepreiste Bewegung kann den Call verbilligen
Die implizite Volatilität, kurz IV, beschreibt die Schwankung, die im Optionspreis steckt. Sie ist keine Aussage, dass die Aktie steigen wird. Ein höherer erwarteter Bewegungsspielraum macht einen gewöhnlichen Call unter sonst gleichen Bedingungen wertvoller; ein kleinerer kann ihn verbilligen.
Nach einem erwarteten Ereignis kann Unsicherheit aus dem Preis verschwinden. Die Aktie steigt vielleicht etwas, aber der Markt preist weniger künftige Schwankung ein. Dann kann der Call günstiger werden. Die im Beispiel angenommene Zeitwertänderung kann solche Effekte zusammen mit verstrichener Zeit abbilden.
Es wäre ungenau, jede rote Optionsscheinposition allein mit IV zu erklären. Zuerst müssen sich Aktienkurs, Restlaufzeit und handelbare Kurse auf vergleichbare Zeitpunkte beziehen. Auch Dividendenerwartungen und Zinsen können in die Preisbildung eingehen.
Ein Kursvergleich ist nur mit derselben Kursseite sinnvoll
Die Geld-Brief-Spanne heißt Spread. Im Beispiel liegt der sofort verkaufbare Geldkurs bereits beim Kauf unter deinem gezahlten Briefkurs. Der Depotwert kann deshalb unmittelbar unter den Anschaffungskosten liegen, auch wenn weder die Aktie noch die Bewertung des Scheins gefallen ist.
Später können veränderte Spreads den Unterschied verstärken. Vergleiche deshalb nicht den gestrigen Briefkurs mit einem heutigen Geldkurs und nenne die gesamte Differenz Zeitwertverlust. Für die Veränderung der Preisstellung solltest du Geld mit Geld oder Brief mit Brief vergleichen. Für dein Verkaufsergebnis vergleichst du dagegen heutigen Geldkurs mit tatsächlichem Kaufpreis.
Bei einem Optionsschein stellt ein Market Maker, häufig der Emittent, die Kurse. Die Preisstellung hängt auch von Absicherung, Liquidität und Produktbedingungen ab. Ein angezeigter Depotkurs oder ein letzter Umsatz ist nicht automatisch ein aktuell ausführbarer Verkaufskurs.
Warum der Abstand zum Strike die Reaktion verändert
Ein Call weit unterhalb seines Strikes reagiert häufig weniger stark auf einen kleinen Aktienanstieg als ein vergleichbarer Call tief im Geld. Die Kennzahl Delta beschreibt diese ungefähre Preisempfindlichkeit. Beim Schein musst du zusätzlich das Bezugsverhältnis berücksichtigen. Delta ist keine feste Zusage und verändert sich.
Eine Hebelangabe allein sagt deshalb nicht, wie viele Prozent dein Schein bei der nächsten Aktienbewegung gewinnt. Hebel, Sensitivität, Zeit und Volatilität wirken zusammen. Du kannst einen positiven Aktieneffekt richtig eingeschätzt haben und trotzdem ein negatives Ergebnis im Schein sehen.
Gewöhnliche Optionsscheine werden vollständig bezahlt; ihr Hebel entsteht aus der Konstruktion und dem vergleichsweise kleinen Preis. Es gibt hier keine täglich neu zu hinterlegende CFD-Margin. Zinsen und Dividenden können in der Bewertung enthalten sein. Nach Laufzeitende zählt die Abrechnung laut Emissionsbedingungen; der Zeitwert bleibt nicht erhalten.
- ISIN, gewöhnlicher Call, Strike und Bezugsverhältnis prüfen.
- Aktienkurs und handelbaren Geldkurs zum selben Zeitpunkt ansehen.
- Restlaufzeit und Veränderung der IV kontrollieren.
- Spread und Gebühren vom Bewertungseffekt unterscheiden.
- Auszahlungsregeln und Emittentenrisiko in den Produktunterlagen nachlesen.
Für Fortgeschrittene: Delta, Theta und Vega richtig einordnen
Für kleine Änderungen kann Delta den Aktieneffekt, Theta den Zeiteffekt und Vega den Volatilitätseffekt näherungsweise beschreiben. Diese Begriffe gelten auch bei der modellgestützten Bewertung gewöhnlicher Optionsscheine. Ihre Werte müssen aber zum konkreten Schein, Bezugsverhältnis und zur veröffentlichten Einheit passen.
Die Effekte sind nicht unabhängig und nicht über jede Kursstrecke konstant. Ein einfaches Addieren veröffentlichter Kennzahlen über große Änderungen kann deshalb irreführen. Unsere Aufteilung in inneren Wert und angenommenen Zeitwert erklärt eine mögliche Preisbewegung; sie ist keine Black-Scholes-Kalibrierung und kein Nachweis für die Ursache eines konkreten Depotverlusts.
Was du als Nächstes verstehen kannst
- Optionen und Optionsscheine unterscheiden
Börsenkontrakt und Emittentenpapier auseinanderhalten.
- Volatilität verständlich erklärt
Was eingepreiste Schwankungen für den Preis bedeuten.
Glossar
- Innerer Wert
- Der positive Abstand zum Strike, angepasst um das Bezugsverhältnis.
- Zeitwert
- Der Preisanteil oberhalb des inneren Werts vor dem Verfall.
- Geldkurs
- Der Kurs, zu dem du den Optionsschein verkaufen kannst.
- Bezugsverhältnis
- Die Zahl, die den Abstand zwischen Basiswert und Strike je Schein umrechnet.
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Die beiden Preisanteile an einer klassischen Option üben. Beim Optionsschein zusätzlich die Emissionsbedingungen beachten.
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