Wissen: Wie entstehen Kurse?

Prognosemärkte verstehen

Was ist Polymarket – und wie funktioniert es?

Polymarket ist ein Prognosemarkt, auf dem Teilnehmer Kontrakte auf den Ausgang von Ereignissen handeln. Was verrät ein Preis von 0,63 Dollar über deren Wahrscheinlichkeit? Der Vergleich mit Optionen zeigt, was dieser Preis bedeutet, welche Auszahlung dahintersteht und wo die Aussagekraft endet.

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Beispiel: ein YES-Kontrakt

Aktueller Preis im Beispiel

0,63 $

≈ 63 %
marktimplizite Wahrscheinlichkeit

YES

1 $ Auszahlung

+0,37 $ Ergebnis

NO

0 $ Auszahlung

−0,63 $ Ergebnis

Ergebnis bei Kauf zu 0,63 $, vor Gebühren und Steuern. Die 63 % sind keine Garantie.

KURZ ZUSAMMENGEFASST

Das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Polymarket ist ein Prognosemarkt für klar definierte Ereignisse.
  • 0,63 entspricht ungefähr 63 % marktimpliziter Wahrscheinlichkeit.
  • Ein gewinnender Standard-Kontrakt zahlt 1, ein verlierender 0.
  • Bei klassischen Optionen wächst die Auszahlung mit der Bewegung über oder unter den Strike.

Was ist Polymarket?

Polymarket ist eine Plattform für Prognosemärkte: Teilnehmer handeln Kontrakte auf den Ausgang klar formulierter Fragen, etwa ob ein bestimmtes Ereignis bis zu einem Stichtag eintritt. Bei einem gewöhnlichen binären Markt gibt es eine Ja- und eine Nein-Seite. Die Anteile sind keine Aktien des Veranstalters und verleihen keine Unternehmensrechte.

Der Kontrakt verbindet eine unsichere Aussage mit einer festgelegten Auszahlung. Deshalb zählt die genaue Formulierung: Welche Quelle entscheidet? Welcher Zeitpunkt gilt? Was passiert bei einer Verschiebung? Zwei ähnlich klingende Fragen können unterschiedliche Ergebnisse haben. Wer einen Preis verstehen will, muss zunächst verstehen, worauf er sich bezieht.

Offizielle Polymarket-Website besuchen(öffnet in einem neuen Tab)

Offizielle Website. Verfügbarkeit und Regeln hängen von der jeweiligen Jurisdiktion ab.

Wie entstehen die Preise auf Polymarket?

Die Preise entstehen durch Kauf- und Verkaufsaufträge im Orderbuch. Käufer nennen ihren höchsten akzeptierten Preis, Verkäufer ihren niedrigsten. Treffen beide zusammen, entsteht ein Abschluss. Neue Nachrichten können diese Preisvorstellungen verändern; die Plattform legt damit keine objektive Wahrscheinlichkeit fest. Mehr zu Angebot, Nachfrage und Order Flow.

Ein angezeigter Kurs ist außerdem nicht immer ein ausführbarer Preis. Polymarket beschreibt die Anzeige als Mittelwert zwischen Geld- und Briefkurs oder, bei größerem Abstand, als letzten Handelspreis. Der Spread und die verfügbare Menge bleiben wichtig: Eine einzelne Zahl zeigt nicht, wie viel zu diesem Preis tatsächlich gehandelt werden könnte. Quelle: Polymarket-Orderbuchdokumentation.

0,63 Dollar: Warum spricht man von 63 %?

Angenommen, ein YES-Kontrakt kostet aktuell 0,63 $. Bei einer normalen YES/NO-Auflösung zahlt er einen Dollar, wenn das Ereignis mit YES aufgelöst wird, und sonst null. Deshalb wird der Preis üblicherweise als ungefähr 63 % marktimplizite Wahrscheinlichkeit gelesen: 0,63 $ geteilt durch 1 $ ergibt 63 %. Das ist eine aus dem aktuellen Marktpreis abgeleitete Einschätzung, keine Garantie.

Wer im Beispiel einen Kontrakt zu 0,63 $ kauft und bis zur Auflösung hält, hat zwei mögliche Ergebnisse:

Auflösung: YES

Auszahlung: 1,00 $

Vereinfachtes Ergebnis: Auszahlung − Kaufpreis

1,00 − 0,63 = +0,37 $

Auflösung: NO

Auszahlung: 0 $

Vereinfachtes Ergebnis: Auszahlung − Kaufpreis

0 − 0,63 = −0,63 $

Die Ergebnisse gelten vor Gebühren und Steuern. Die Auszahlung ist also nicht der Gewinn: Der Kaufpreis muss abgezogen werden. Die 63 % sind weder eine Rendite noch ein Umfrageergebnis. Die einfache Wahrscheinlichkeitslesart lässt Gebühren, Abzinsung und Risikoprämien außer Acht. Risikobereitschaft, Kapitalbindung und begrenzte Liquidität können den Preis von einer unverzerrten Einschätzung der tatsächlichen Wahrscheinlichkeit entfernen.

Der entscheidende Unterschied

Polymarket vs. Optionen: Prognosemarkt, binäre Option und klassische Option im Vergleich

Der Kernunterschied: Ein Ereignisvertrag fragt, ob etwas passiert; eine klassische Option bewertet zusätzlich, wie weit sich ein Basiswert über oder unter einen Strike bewegt.

Alle drei Produkte beziehen ihren Wert aus unsicheren künftigen Ergebnissen. Ihre Auszahlungsformen unterscheiden sich jedoch. Für den Vergleich verwenden wir dieselbe hypothetische Bedingung: Ein Kurs liegt am Stichtag über 100 Dollar. Die ersten beiden Kontrakte zahlen dann einen Dollar; beim Call beträgt der Basispreis 100 Dollar.

Tritt die Bedingung ein?

Ereigniskontrakt

Feste Auszahlung bei erfüllter BedingungSchematische Auszahlung am Ende der Laufzeit, vor Abzug des Kaufpreises. Die Skalen der Diagramme sind nicht identisch.Auszahlung01100Kurs am Stichtag

Bei Ja zahlt unser Beispiel einen Dollar, bei Nein null. Wie deutlich die Bedingung erfüllt wird, erhöht die Auszahlung nicht. Für reale Märkte bestimmen Ereignisregeln und Auflösungsquelle, was als Ja zählt.

Fester Betrag oder null

Binäre Option

Feste Auszahlung bei erfüllter BedingungSchematische Auszahlung am Ende der Laufzeit, vor Abzug des Kaufpreises. Die Skalen der Diagramme sind nicht identisch.Auszahlung01100Kurs am Stichtag

Eine Cash-or-Nothing-Option zahlt einen festgelegten Betrag, wenn ihre Bedingung erfüllt ist. Hier normieren wir ihn auf einen Dollar. Die ähnliche Auszahlungsform macht Handelsplatz, Vertragsrecht, Besicherung und Aufsicht nicht automatisch identisch.

Auch die Höhe zählt

Klassische Call-Option

Call: steigende Auszahlung oberhalb des BasispreisesSchematische Auszahlung am Ende der Laufzeit, vor Abzug des Kaufpreises. Die Skalen der Diagramme sind nicht identisch.Auszahlung0100Kurs am Stichtag

Am Laufzeitende beträgt der innere Wert pro Basiswerteinheit max(Kurs − Basispreis, 0). Je höher der Kurs über 100 liegt, desto größer ist dieser Wert. Ein Put bildet entsprechend max(Basispreis − Kurs, 0) ab.

Gleicher Stichtag, gleiche Schwelle: Auszahlung vor Kaufpreis und Kosten
EndkursEreigniskontraktBinäre OptionCall: innerer Wert
95 $0 $0 $0 $
105 $1 $1 $5 $
120 $1 $1 $20 $

Die Diagramme zeigen schematische Auszahlungen mit unterschiedlichen vertikalen Skalen, keine Gewinne. Beim Call ist der wirtschaftliche Wert dargestellt; je nach Vertrag erfolgt die Erfüllung durch Lieferung oder Barausgleich. Kontraktmultiplikatoren sind ausgeblendet. Für den Gewinn müssen der jeweilige Kaufpreis und die Kosten abgezogen werden. Ein Call mit positivem innerem Wert kann deshalb trotzdem einen Verlust ergeben.

Warum ist ein Optionspreis keine Prozentwahrscheinlichkeit? Zwei mögliche Kursverteilungen können dieselbe Wahrscheinlichkeit haben, über 100 zu enden. Liegen die positiven Ergebnisse in einer Verteilung aber viel höher, ist der erwartete Call-Wert größer. Neben der Eintrittswahrscheinlichkeit zählt also die Höhe der möglichen Auszahlung. Laufzeit, Volatilität, Zinsen und Dividenden beeinflussen die Bewertung ebenfalls. So entstehen Optionspreise.

Grundlagen zum Vergleich: SEC zu binären Optionen · SEC zu klassischen Optionen

Wofür sind Prognosemärkte nützlich?

Prognosemärkte machen Erwartungen beobachtbar und ihre Veränderung nachvollziehbar. Statt nur zu fragen, ob eine Nachricht positiv klingt, lässt sich untersuchen, welche klar definierte Erwartung sich verschoben hat. Das hilft beim Lesen von Wirtschaftsnachrichten und beim Unterscheiden zwischen einem überraschenden Ereignis und einem Ergebnis, mit dem ein Markt bereits gerechnet hatte.

Ihr pädagogischer Wert liegt auch in der Disziplin der Frage: Ergebnis, Zeitpunkt und Nachweis müssen zusammenpassen. Ein Marktpreis kann ein zusätzliches Signal neben Fachwissen und anderen Daten sein. Er ersetzt diese Informationen nicht und ist keine repräsentative Befragung der Bevölkerung.

Wo Markt-Wahrscheinlichkeiten irreführen

  • Wenig Liquidität: Ein veralteter letzter Abschluss oder ein breiter Spread kann eine präzise wirkende Zahl liefern, obwohl aktuelle Preisvorstellungen weit auseinanderliegen. Ein einzelner Auftrag kann dann viel bewegen.
  • Ungleiche Beteiligung: Preise spiegeln handelnde Teilnehmer und eingesetztes Kapital wider. Sie zählen keine gleichberechtigten Stimmen. Zugangsbeschränkungen und konzentrierte Positionen können beeinflussen, welche Einschätzungen überhaupt im Preis auftauchen.
  • Unklare Auflösung: Eine alltagssprachlich plausible Antwort kann von der vertraglich richtigen abweichen. Entscheidend bleiben Stichtag, Belegquelle und Regeln. Polymarket erläutert diese Bindung an vorab definierte Auflösungskriterien. Auflösungsregeln.
  • Zusammenhängende Ereignisse: Die Wahrscheinlichkeiten verschiedener Märkte lassen sich nicht beliebig addieren oder multiplizieren. Ereignisse können voneinander abhängen, sich überschneiden oder unterschiedliche Zeiträume betreffen. Auch viele ähnlich gerichtete Preise sind dann keine unabhängigen Bestätigungen.

Regulierung

Regulierung und Zugang: getrennte Angebote

Internationales Angebot

Das Angebot auf polymarket.com nennt geografische Beschränkungen, darunter die USA.

Polymarket US

Polymarket US wird separat durch QCX LLC betrieben; die CFTC führt die Gesellschaft als registrierten Designated Contract Market. Das bedeutet weder weltweiten Zugang noch eine pauschale behördliche Empfehlung.

Deutschland

Die GGL warnt vor entgeltlichen Gesellschaftswetten, wie sie etwa auf Polymarket angeboten werden, und bewertet solche Angebote als unerlaubtes Glücksspiel.

Eine US-Registrierung hebt nationale Regeln nicht auf und ist keine Empfehlung für einzelne Kontrakte. Diese Einordnung dient der Information, nicht als Zugangs- oder Handlungsanleitung; Bedingungen und Rechtslage können sich ändern.

Primärquellen, Stand 8. September 2026: Angebotsbedingungen · Geografische Beschränkungen · CFTC-Register · GGL-Mitteilung

Von Ereignispreisen zu Optionswissen

Der Vergleich liefert einen guten Einstieg in Optionen: Zuerst die Auszahlungsregel verstehen, dann den Preis und erst danach den möglichen Gewinn betrachten. Unsere Grundlagen erklären Rechte und Pflichten. Das Kapitel zu Long Call und Long Put vertieft die Auszahlungsprofile.

Für das Lesen konkreter Preise hilft der Optionsketten-Leitfaden. Danach zeigen implizite Volatilität und die Greeks, wie erwartete Schwankungen und andere Einflussgrößen Optionswerte verändern. Auch dabei gilt: Ein Modellwert ist keine sichere Vorhersage, und ein verständliches Produkt ist nicht automatisch für jede Person geeignet.

Häufige Fragen zu Polymarket und Optionen

Was ist Polymarket einfach erklärt?

Polymarket ist eine Plattform für Prognosemärkte. Ein Kontrakt bezieht sich auf eine festgelegte Ereignisfrage. Bei einem gewöhnlichen Ja/Nein-Markt erhält die gewinnende Seite nach der Auflösung einen Dollar pro Anteil, die andere null. Entscheidend sind die konkreten Marktregeln, nicht nur die Überschrift.

Wer bestimmt die Preise auf Polymarket?

Kauf- und Verkaufsaufträge treffen im Orderbuch aufeinander. Teilnehmer bestimmen durch ihre Preisvorstellungen das Angebot und die Nachfrage. Die angezeigte Wahrscheinlichkeit kann auf einem Mittelwert der Geld- und Briefkurse beruhen. Sie ist deshalb nicht automatisch der Preis, zu dem eine bestimmte Menge tatsächlich gehandelt werden könnte.

Bedeutet ein Preis von 0,63 wirklich eine Wahrscheinlichkeit von 63 %?

Er lässt sich als marktimplizite Wahrscheinlichkeit von 63 % lesen, wenn die mögliche Auszahlung auf einen Dollar normiert ist. Das ist eine Interpretation des Preises unter vereinfachenden Annahmen. Es ist weder eine bestätigte Eintrittswahrscheinlichkeit noch eine garantierte Rendite oder der Anteil der Menschen, die dieses Ergebnis erwarten.

Was passiert bei der Auflösung eines Marktes?

Das Ergebnis wird anhand der vorher festgelegten Regeln und der dort genannten Quellen bestimmt. Bei normaler binärer Auflösung zahlt die gewinnende Seite einen Dollar, die verlierende nichts. Unklare Ergebnisse oder Streitfälle können Zeit benötigen; für Sonderfälle gelten die jeweiligen Vertragsregeln. Eine Schlagzeile allein ist keine verbindliche Abrechnung.

Sind Polymarket-Kontrakte dasselbe wie binäre Optionen?

Ihre Auszahlungsform kann der einer binären Cash-or-Nothing-Option entsprechen: ein fester Betrag oder null. Daraus folgt keine rechtliche oder operative Gleichheit. Ereignisdefinition, Basiswert, Handelsplatz, Auflösung, Besicherung und Aufsicht können sich unterscheiden. Ein ähnliches Diagramm ersetzt deshalb nicht das Verständnis des jeweiligen Produkts.

Wie unterscheiden sich Prognosemärkte von klassischen Optionen?

Ein Ereigniskontrakt fragt, ob eine Bedingung erfüllt ist. Bei einem klassischen Call hängt der innere Wert am Ende zusätzlich davon ab, wie weit der Kurs über dem Basispreis liegt. Optionspreise berücksichtigen daher auch die Größenverteilung möglicher Bewegungen. Sie lassen sich nicht einfach als Prozentwahrscheinlichkeit ablesen.

Welche Zugangsbeschränkungen gelten, und was ist Polymarket US?

Das internationale Angebot und Polymarket US sind getrennte Angebote. Die internationale Plattform beschränkt den Zugang unter anderem aus den USA. Polymarket US wird von einer bei der CFTC registrierten Börse betrieben. Daraus folgt weder weltweiter Zugang noch eine pauschale behördliche Empfehlung. Maßgeblich sind die aktuellen örtlichen Regeln und Angebotsbedingungen.

Verstehen, was eine Option kostet

Der nächste Schritt führt vom Auszahlungsdiagramm zum heutigen Preis: innerer Wert, Zeitwert und die Rolle der Volatilität – erklärt mit Beispielen.

Optionspreise verstehen

Broker im Vergleich ansehen

Wenn du dich auch über Anbieter informieren möchtest: Die BeInOptions-Vergleiche stellen Gebühren, Regulierung und Plattformen gegenüber. So kannst du Unterschiede in Ruhe nachvollziehen.

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