Das Wichtigste in 30 Sekunden
- Cboe berechnet den VIX aus ausgewählten Put- und Call-Quotes auf den S&P 500.
- Der erwartete Zeitraum beträgt rund 30 Tage; die Ausgabe ist annualisiert.
- VIX 20 steht für eine annualisierte Schwankungsgröße von 20 %, nicht für einen erwarteten Verlust von 20 %.
- Der VIX ist eine marktbasierte Schätzung. Die später tatsächlich gemessene Schwankung kann abweichen.
- Der Name „Angstindex“ ist eine Kurzform, keine vollständige Definition.
Was der Angstindex in einfachen Worten zeigt
Wenn ein Markt größere Bewegungen erwartet, verändert sich der Preis von Optionen. Optionen können unter anderem dazu dienen, ein Portfolio gegen bestimmte Kursbewegungen abzusichern. Für dieses Recht wird eine Prämie bezahlt.
Der Cboe Volatility Index, kurz VIX, gewinnt aus ausgewählten Optionsquotes eine gemeinsame Schwankungskennzahl. Der zugrunde liegende Aktienindex ist der S&P 500, ein US-Aktienindex. Der VIX ist damit kein allgemeiner Messwert für jede Aktie, den DAX oder ein einzelnes ETF-Depot.
Die in Optionspreisen enthaltene Schwankungserwartung heißt implizite Volatilität. „Implizit“ bedeutet, dass sie aus Preisen abgeleitet wird. Die realisierte Volatilität misst dagegen Bewegungen, die tatsächlich stattgefunden haben. Erwartung und spätere Realität sind unterschiedliche Größen.
Den ausführlichen Leitfaden mit dem DAX-Gegenstück, der Umrechnung in Indexpunkte und handelbaren VIX-Produkten findest du unter VIX erklärt: Was der Volatilitätsindex wirklich misst.
Woher die VIX-Zahl kommt
Cboe verwendet nicht eine einzelne besonders beliebte Option. In die Methodik gehen ausgewählte Put- und Call-Optionen auf den S&P 500 mit verschiedenen Ausübungspreisen ein. Verwendet werden Mittelwerte aus Geld- und Briefquotes, also aus Kauf- und Verkaufspreisangeboten.
Die geeigneten Laufzeiten liegen laut Methodik mehr als 23 und weniger als 37 Tage vor dem relevanten Freitag-Verfall. Die Informationen aus zwei passenden Laufzeiten werden auf einen konstanten Horizont von 30 Tagen gewichtet.
Der Strike ist der vereinbarte Ausübungspreis einer Option. Unterschiedliche Strikes bilden unterschiedliche mögliche Kursbereiche ab. Auswahlregeln, Quote-Filter und Gewichtungen gehören zur Indexmethodik. Der VIX ist deshalb mehr als der Durchschnitt einiger sichtbarer IV-Zahlen.
Sieh, was ein höherer VIX verändert
Das Beispiel übersetzt eine annualisierte Schwankungsgröße grob in 30 Tage. Es zeigt bewusst eine Spanne in beide Richtungen. Ein höherer VIX macht die Darstellung breiter; er verschiebt sie nicht automatisch nach unten.
Ändere einen hypothetischen VIX-Wert. Ausgangsindex: 5.000 Punkte. Die Rechenspanne öffnet sich nach beiden Seiten.
Rechenwert unten
4.713
Ausgangspunkt
5.000
Rechenwert oben
5.287
30-Tage-Näherung: ±5,73 %
Größere Spanne ≠ festgelegte Richtung
Bildungsmodell: (VIX ÷ 100) × √(30 ÷ 365). Konstante Volatilität, einfache Zeitskalierung, keine Drift. Die Darstellung ist keine verlässliche Wahrscheinlichkeitsverteilung und keine feste Kursgrenze. Auch Bewegungen außerhalb der Spanne sind möglich. Keine Live-Daten.
Warum 30 Tage und ein Jahreswert zusammenpassen
Annualisiert bedeutet: Die Kennzahl wird auf ein Jahr hochgerechnet, damit Werte vergleichbar sind. VIX 20 ist daher eine jährliche Schwankungsgröße von 20 %, die aus der Erwartung für die nächsten 30 Tage abgeleitet wird.
Hypothetischer VIX 20 · 30 Kalendertage
Eine vereinfachte Zeitskalierung ergibt 20 % × √(30/365) ≈ 5,73 %. Bei einem angenommenen Indexstand von 5.000 Punkten entspricht das etwa 287 Punkten in jede Richtung: grob 4.713 bis 5.287 Punkte.
Das ist eine Rechenspanne zur Einordnung der Größe. Sie ist kein Korridor, in dem der Index bleiben muss, und keine Aussage über eine konkrete Crash-Wahrscheinlichkeit.
Die Rechnung setzt konstante Schwankung und eine einfache Wurzel-Zeitskalierung voraus. In Wirklichkeit verändern sich Volatilität und Risikoprämien, und Kurse können sprunghaft reagieren. Aus einer einzigen VIX-Zahl folgt keine belastbare Verteilung aller möglichen Ergebnisse.
Warum „Angstindex“ nur einen Teil beschreibt
Bei Unsicherheit oder fallenden Aktienkursen steigt häufig die Nachfrage nach Absicherung. Das kann Optionspreise und den VIX erhöhen. Daher ist der Name Angstindex verständlich. Er kann aber die falsche Vorstellung wecken, der VIX messe Gefühle direkt.
Gemessen werden Optionsquotes. Sie enthalten nicht nur Erwartungen, sondern auch den Preis dafür, Schwankungsrisiken zu übernehmen. Ein hoher Wert kann in einem Umfeld mit kräftigen Kursanstiegen vorkommen. Auch nach einem Rückgang kann der VIX sinken, wenn neue Informationen Unsicherheit abbauen.
Was der VIX nicht verrät
Er liefert weder den genauen Zeitpunkt einer Bewegung noch ein Kursziel. Er beschreibt die erwartete Schwankung des S&P 500, nicht die individuelle Lage eines Unternehmens. Er zeigt auch nicht, ob deine eigene Optionsposition billig oder teuer ist.
Der VIX ist ein Index und kein direkt kaufbarer Vermögenswert. VIX-Futures, Optionen und darauf bezogene Produkte haben eigene Preise, Laufzeiten und Abrechnungsregeln. Sie können sich anders bewegen als der angezeigte Spot-VIX. Ein VIX-Wert allein beschreibt ihre Kosten oder Risiken nicht vollständig.
Für die Einordnung kann der VIX ein gemeinsamer Bezugspunkt sein. Für konkrete Optionspreise brauchst du zusätzlich den jeweiligen Basiswert, Strike, die Laufzeit und die dazugehörige Volatilität. Das erklärt unser Artikel zu den Bausteinen eines Optionspreises.
Vertiefung: Details und Annahmen anzeigen
Die VIX-Methodik aggregiert Optionspreise zu einer annualisierten Varianzgröße für den 30-Tage-Horizont und gibt deren Quadratwurzel multipliziert mit 100 aus. Strikes, Zeitgewichtung, Forward-Indexniveau und Zinsannahmen gehen in die Berechnung ein.
Der Ausdruck „erwartete Volatilität“ beschreibt eine durch Optionspreise implizierte, risikoneutrale Größe. Sie ist nicht identisch mit einer unvoreingenommenen statistischen Prognose unter realen Wahrscheinlichkeiten. Risikoprämien und die Form der Optionspreise beeinflussen sie.
Für die Beispielumrechnung verwenden wir 365 Kalendertage, passend zur kalenderbasierten VIX-Zeitkonvention. Die einfache symmetrische Spanne ignoriert Drift, Schiefe, Sprünge und sich ändernde Volatilität. Wir weisen ihr bewusst keine feste Eintrittswahrscheinlichkeit zu.
Was du als Nächstes verstehen kannst
VIX-Werte lesen, DAX-Gegenstück und handelbare VIX-Produkte.
Die IV einer einzelnen Optionsposition vom Indexmaß unterscheiden.
Kurs, Zeit und Schwankung zusammen betrachten.
Die Modellwirkung einer veränderten Volatilität ausprobieren.
Glossar
- Implizite Volatilität
- Eine aus Optionspreisen abgeleitete Schwankungsgröße.
- Annualisiert
- Auf einen Jahresmaßstab umgerechnet, um Werte vergleichbar zu machen.
- Realisierte Volatilität
- Eine Kennzahl für tatsächlich beobachtete vergangene Kursbewegungen.
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