Derivate verstehen

CFD, Knock-out oder Optionsschein: Die Unterschiede an einem Beispiel

BeInOptions Team8 Min. Lesezeit

Die kurze Antwort

Beim CFD vereinbarst du mit einem Anbieter eine Preisdifferenz. Ein Knock-out ist hier ein gekauftes Emittentenpapier mit Barriere. Ein gewöhnlicher Optionsschein ist ein Emittentenpapier mit Optionsmechanik und fester Laufzeit. Derselbe Aktienkurs und dasselbe Budget führen deshalb nicht zu demselben Ergebnis.

Inhalt

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Beim CFD hinterlegst du Margin; die beiden Wertpapiere bezahlst du vollständig.
  • Eine Knock-out-Barriere kann das Produkt vorzeitig beenden, auch wenn sich die Aktie danach erholt.
  • Der gewöhnliche Optionsschein hat im Beispiel keine Barriere, aber Zeitwert und einen Verfall.
  • Finanzierung, Spread und Abrechnung werden für jedes Produkt getrennt geprüft.

Eine Aktie bei 100 €. Dreimal 500 € Ausgangsbudget.

Aktien-CFD

500 € als Margin

Position
25 Aktienäquivalente
Bezugswert
2.500 €
Aktie auf 110 €
+250 € vor Kosten
Was beendet die Position?
Schließung oder unzureichende Kontodeckung

Long-Turbo

500 € Kaufbetrag

Position
500 Stück zu 1 €
Basispreis / Barriere
90 € / 90 €
Aktie auf 110 €
Modellwert 1.000 €
Was beendet das Produkt?
Barriere, Fälligkeit oder Kündigung laut Bedingungen

Call-Optionsschein

500 € Kaufbetrag

Position
500 Stück zu 1 €
Strike / Bezugsverhältnis
100 € / 0,1
Aktie auf 110 €
Vor Verfall kein eindeutiger Preis
Was beendet das Produkt?
Feste Laufzeit; keine Barriere im Beispiel
Hypothetischer Vergleich von Long-Produkten. Gebühren, Spreads und laufende Finanzierung werden in den Modellrechnungen ausgeblendet. Gleiches Budget bedeutet weder gleichen Hebel noch gleiche Sensitivität.

Was wird mit den 500 € tatsächlich eröffnet?

Unsere einzige Aktie steht anfangs bei 100 €. Wir betrachten drei getrennte Alternativen mit jeweils 500 € Ausgangsbudget. Die Zahlen sind frei gewählte Lehrannahmen und keine drei verfügbaren Angebote. Der ganze Betrag wird hier nur eingesetzt, damit die Konstruktionen vergleichbar lesbar sind; das ist keine Vorgabe für eine Positionsgröße.

Beim Long-Aktien-CFD nehmen wir 25 Aktienäquivalente an. Die Position bezieht sich damit auf 2.500 € Aktienwert. Bei angenommener Initial-Margin von 20 % werden 500 € Sicherheit gebunden. Du kaufst weder 25 Aktien noch ein Wertpapier.

Beim Long-Knock-out wählen wir einen vereinfachten Turbo: Basispreis und Barriere liegen bei 90 €, das Bezugsverhältnis bei 0,1. Ohne Aufgeld und Kosten beträgt der Modellpreis (100 € − 90 €) × 0,1 = 1 €. Für 500 € kaufst du 500 Stück.

Der gewöhnliche Call-Optionsschein hat Strike 100 €, Bezugsverhältnis 0,1 und eine feste Restlaufzeit. Sein angenommener Kaufpreis beträgt ebenfalls 1 €. Auch hier kaufst du 500 Stück. Anders als beim Turbo entsteht dieser Preis bei der Aktie am Strike im Beispiel vollständig aus Zeitwert.

Was ändern ein Anstieg auf 110 € oder ein Rückgang auf 95 €?

Zuerst betrachten wir die Bewegung vor dem Verfall des Optionsscheins. Für den Turbo unterstellen wir einen unveränderten Basispreis und keine vorherige Berührung der Barriere. Der CFD bleibt in diesen beiden Szenarien offen. So sehen wir die Preislogik, bevor Kosten und Schließungsereignisse hinzukommen.

Steigt die Aktie auf 110 €, gewinnt die CFD-Position 10 € × 25 = 250 €. Das Beispielkonto besitzt dann 750 € Eigenkapital. Die Modellbewertung der 500 Turbo-Stücke steigt auf 1.000 €. Der Call-Optionsschein lässt sich vor dem Verfall dagegen nicht aus dem Aktienkurs allein neu bepreisen.

Fällt die Aktie auf 95 €, verliert der CFD 5 € × 25 = 125 €; es verbleiben 375 € Kontoeigenkapital. Die 500 Turbo-Stücke haben einen Modellwert von 250 €. Beim Call-Optionsschein ist der innere Wert null, aber es kann weiterhin Zeitwert bestehen. Dessen Höhe hängt unter anderem von Restlaufzeit und eingepreister Schwankung ab.

Dieselbe Aktienbewegung, unterschiedliche Rechenwege
Szenario vor VerfallAktien-CFDTurbo ohne BarrierenberührungCall-Optionsschein
Aktie 100 €500 € Kontoeigenkapital; 500 € Initial-Margin500 Stück × 1 € = 500 €500 Stück × 1 € = 500 €
Aktie 110 €+250 € Kursresultat; 750 € EigenkapitalModellpreis 2 €; Wert 1.000 €Innerer Wert 1 € je Stück; handelbarer Gesamtpreis nicht allein daraus bestimmbar
Aktie 95 €−125 € Kursresultat; 375 € EigenkapitalModellpreis 0,50 €; Wert 250 €Innerer Wert 0 €; verbleibender Zeitwert unbekannt

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CFD-Kontoeigenkapital und Wertpapierwert sind verschiedene Größen. Die Turbo-Werte sind vereinfachte Modellwerte, keine ausführbaren Kurse. Ein Call-Verkaufspreis wird bewusst nicht erfunden.

Die Produktstruktur bestimmt die weiteren Regeln

Ein Knock-out kann rechtlich auch als Turbo-Optionsschein bezeichnet werden. In diesem Vergleich meint „Optionsschein“ den gewöhnlichen Call ohne Barriere. Ein börsengehandelter Optionskontrakt gehört nicht zu den drei Beispielprodukten.

Vertrag, Barriere, Laufzeit und Kosten getrennt vergleichen
MerkmalAktien-CFDLong-TurboGewöhnlicher Call-Optionsschein
Rechtliche StrukturAußerbörslicher Differenzvertrag mit dem CFD-AnbieterWertpapier mit Anspruch gegen einen EmittentenWertpapier mit Anspruch gegen einen Emittenten
PreisfaktorenAktienreferenz, Vertragsgröße und AnpassungenAbstand zum Basispreis; Aufgeld, Finanzierung und BarrierenrisikoAktienkurs, Strike, Zeit, Volatilität, Zins- und Dividendenerwartungen
HebelÜber Positionswert relativ zur MarginÜber kleinen Produktpreis relativ zum AktienbezugÜber Optionssensitivität und kleinen Produktpreis; nicht konstant
FinanzierungKassa-CFD häufig mit laufenden AnpassungenBei Open-End-Turbos häufig im angepassten Basispreis; bei anderen Typen andersZinsen fließen in die Bewertung ein; keine gewöhnliche CFD-Übernachtfinanzierung
BarriereKeine Produkt-Knock-out-Barriere; Margin-Schließung möglichJa, im Beispiel 90 €Keine im gewöhnlichen Call des Beispiels
VerfallKassa-CFD häufig offen; andere CFD-Typen befristetBefristete oder Open-End-Produkte; Knock-out und Kündigung möglichFeste Laufzeit; Abrechnung laut Emissionsbedingungen
SpreadUnterschied zwischen Kauf- und Verkaufspreis; weitere Gebühren möglichAn- und Verkaufskurse des WertpapiersAn- und Verkaufskurse des Wertpapiers
Zusätzliche Gegenpartei-FrageAnbieter, Kontoregeln und AusführungZahlungsfähigkeit des EmittentenZahlungsfähigkeit des Emittenten

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Warum der Weg zum Schlusskurs wichtig ist

Nehmen wir an, die Aktie berührt erst 90 € und steigt später auf 110 €. Beim Beispiel-Turbo ist die Barriere bereits erreicht. Das Produkt endet nach seinen Knock-out-Regeln; die spätere Erholung belebt es nicht wieder. Ein Restbetrag hängt vom Produkttyp und den Bedingungen ab.

Beim CFD kann die Position zuvor ebenfalls geschlossen worden sein – aber aus einer anderen Ursache: unzureichender Kontodeckung. In Deutschland gelten für CFDs an Kleinanleger unter anderem Margin-Glattstellungsschutz und Negativsaldoschutz auf CFD-Kontoebene. Sie verhindern nicht einen Verlust des Kontokapitals. Die Initial-Margin ist daher nicht mit einer unveränderlichen Verlustgrenze jeder Position gleichzusetzen. Rechtsstand geprüft am 9. Oktober 2026.

Der gewöhnliche Call wird durch die bloße Berührung von 90 € nicht beendet. Seine feste Laufzeit bleibt aber relevant. Selbst eine spätere Erholung kann nach dem Verfall zu spät sein. Auch deshalb genügt ein einzelner Schlusskurs nicht, um alle drei Alternativen zu vergleichen.

Am Laufzeitende ist Auszahlung noch kein Gewinn

Wird unser gewöhnlicher Call am Bewertungszeitpunkt zu 110 € abgerechnet und sehen die Bedingungen den einfachen Barausgleich vor, ergibt sich (110 € − 100 €) × 0,1 = 1 € je Schein. Bei 500 Stück sind das 500 €. Das entspricht in diesem vereinfachten Fall gerade dem Kaufbetrag. Gebühren würden das Ergebnis verringern.

Bei einem maßgeblichen Kurs von 100 € oder 95 € wäre der Einlösungsbetrag dieses gewöhnlichen Calls null. Ein vor dem Verfall möglicher Zeitwert wird nicht zusätzlich ausbezahlt. Bewertungszeitpunkt, letzter Handel und Zahlungstermin ergeben sich aus den Produktunterlagen.

Die praktische Vergleichsfrage lautet deshalb: Welche Preisbewegung bildet das Produkt ab, und unter welchen Bedingungen endet es? Vergleiche dieselbe Währung und denselben Zeithorizont, aber rechne Margin, Barriere und Zeitwert jeweils mit ihrer eigenen Logik.

Für Fortgeschrittene: Gleiches Budget ist keine gleiche Marktposition

Der CFD entspricht im Beispiel 25 Aktienäquivalenten. Die 500 Turbo-Stücke mit Bezugsverhältnis 0,1 reagieren im vereinfachten Modell auf 50 Aktienäquivalente. Die 500 Call-Optionsscheine haben zusätzlich eine variable Optionssensitivität. Ein gleicher Anfangsbetrag stellt somit weder gleiche Delta-Exponierung noch gleiche Verlustwahrscheinlichkeit her.

Für einen belastbaren Produktvergleich wären aktuelle handelbare Kurse, Zeithorizont, Finanzierung, genaue Vertragsgröße und ein gemeinsamer Kursverlauf nötig. Bei einem Open-End-Turbo können sich Basispreis und Barriere verändern. Bei einem CFD wirken Kontodeckung und Schließungsregeln. Bei einem gewöhnlichen Call wirken Zeit und Volatilität. Die hier weggelassenen Kosten müssten für jedes Produkt gesondert ergänzt werden.

Was du als Nächstes verstehen kannst

Glossar

Margin
Gebundene Sicherheit für den CFD; kein Kaufpreis eines Wertpapiers.
Knock-out-Barriere
Kursschwelle, deren Erreichen den Turbo nach seinen Bedingungen beendet.
Zeitwert
Preisanteil eines gewöhnlichen Optionsscheins oberhalb des inneren Werts.
Emittent
Herausgeber des Knock-outs oder Optionsscheins und Schuldner der vertraglichen Leistung.

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Academy: die vier Teile einer Option

Basiswert, Strike, Prämie und Verfall verstehen; beim Emittentenpapier zusätzlich die Bedingungen lesen.

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Häufig gestellte Fragen