Das Wichtigste in 30 Sekunden
- Ein Protective Put kombiniert vorhandene ETF-Anteile mit einem gekauften Put auf denselben Basiswert.
- Im Beispiel kosten 100 Anteile je 100 € zusammen 10.000 €; die Put-Prämie beträgt zusätzlich 200 €.
- Strike 95 € bedeutet eine Schutzgrenze unter dem Startkurs. Der erste Kursverlust bis dorthin bleibt bestehen.
- Am Verfall beträgt der modellierte maximale Gesamtverlust 700 € inklusive Prämie, vor weiteren Kosten.
- Nicht jeder ETF hat handelbare Optionen. Multiplikator, Basiswert und Abwicklung müssen tatsächlich passen.
Ein Put als zeitlich begrenztes Verkaufsrecht
Eine Put-Option gibt ihrem Käufer das Recht, einen bestimmten Basiswert zum vereinbarten Preis zu verkaufen. Dieser Preis heißt Strike. Das Recht gilt nur nach den Bedingungen des Kontrakts und endet spätestens am Verfall, dem Laufzeitende.
Wenn du passende ETF-Anteile besitzt und einen Put dazu kaufst, entsteht ein Protective Put. Fällt der ETF, kann der innere Wert des Puts den weiteren Wertverlust unter dem Strike ausgleichen. Steigt der ETF, bleiben die Anteile am Anstieg beteiligt; die bezahlte Prämie mindert jedoch das Ergebnis.
Ein ETF ist ein börsengehandelter Fonds. Eine Option auf ihn ist ein separater Vertrag. Dass ein ETF im Depot liegt, bedeutet nicht automatisch, dass dafür eine passende Option verfügbar ist.
Die Annahmen für das 10.000-€-Depot
Ein konsistentes hypothetisches Modell
- 100 Anteile eines erfundenen ETF zu je 100 €: Depotwert 10.000 €.
- Ein Put auf genau diesen ETF, Strike 95 €.
- Angenommener Multiplikator: 100 Anteile je Kontrakt.
- Angenommene Prämie: 2 € je Anteil, also 200 € je Kontrakt.
- Vergleich ausschließlich am Verfall, ohne Gebühren, Steuern, Ausschüttungen oder Finanzierung.
Die Prämie wird zusätzlich zum Depot bezahlt. Der Bestand bleibt deshalb bei 100 Anteilen. Zusammen wurden 10.200 € eingesetzt. Wenn die 200 € stattdessen durch einen Verkauf von Anteilen finanziert würden, wäre die Stückzahl anders und dieses Beispiel müsste neu gerechnet werden.
Der Multiplikator bestimmt, auf wie viele Anteile sich ein Kontrakt bezieht. Hier deckt ein Put genau die 100 ETF-Anteile ab. Die Prämie entspricht 2 % des ursprünglichen Depotwerts – für die angenommene Laufzeit, nicht automatisch pro Jahr.
Ändere den ETF-Kurs am Verfall
Ziehe den Kurs unter und über 95 €. Unter dem Strike ersetzt der innere Wert des Puts im Modell jeden weiteren Euro Kursverlust je Anteil. Oberhalb des Strikes bleibt die bezahlte Prämie als Kostenfaktor.
100 ETF-Anteile · Startkurs 100 € · Strike 95 € · 1 Put mit Multiplikator 100 · Prämie 200 € zusätzlich bezahlt.
Durchgezogen: ETF + Put − Prämie · Gestrichelt: ETF ohne Put. Horizontal: ETF-Endkurs.
- ETF-Wert
- 8.000 €
- Innerer Wert des Puts
- 1.500 €
- ETF + Put, brutto
- 9.500 €
- Wirtschaftlicher Endwert nach 200 € Prämie
- 9.300 €
- Ergebnis gegenüber 10.000 € Startdepot
- -700 €
Nur am Verfall, identischer Basiswert und vollständige Deckung. Keine Gebühren, Steuern, Ausschüttungen oder Finanzierung. Der wirtschaftliche Endwert zieht die bereits bezahlte Prämie rechnerisch ab; er ist kein separat ausgezahlter Kontobetrag.
Drei Szenarien: 110 €, 95 € und 80 €
| ETF-Endkurs | ETF-Wert | Put-Wert | Gesamt brutto | Nach Prämie | Ergebnis* |
|---|---|---|---|---|---|
| 110 € | 11.000 € | 0 € | 11.000 € | 10.800 € | +800 € |
| 95 € | 9.500 € | 0 € | 9.500 € | 9.300 € | −700 € |
| 80 € | 8.000 € | 1.500 € | 9.500 € | 9.300 € | −700 € |
* Ergebnis gegenüber dem Startdepot von 10.000 €, nachdem die zusätzlich bezahlte Prämie wirtschaftlich berücksichtigt wurde. Gleichwertig: Gesamt brutto minus 10.200 € Gesamteinsatz.
Bei 80 € ist der ETF-Bestand 8.000 € wert. Der Put hat einen inneren Wert von (95 € − 80 €) × 100 = 1.500 €. Zusammen sind das 9.500 € brutto. Nach der einmal berücksichtigten Prämie bleiben rechnerisch 9.300 €.
Bei 110 € hat der Put am Verfall keinen inneren Wert. Die Anteile sind 11.000 € wert, das Ergebnis nach Prämie beträgt +800 € statt der +1.000 € ohne Put. Die Absicherung hat ihren Preis auch dann, wenn sie nicht benötigt wurde.
Was Schutz kostet und welcher Verlust übrig bleibt
Vom Startkurs 100 € bis zum Strike 95 € trägt der Bestand 5 € Verlust je Anteil: insgesamt 500 €. Dazu kommen die 200 € Prämie. Die modellierte Verlustgrenze am Verfall beträgt deshalb 700 €. Eine vollständige Verlustfreiheit entsteht nicht.
Eine engere Schutzgrenze, eine längere Laufzeit oder höher eingepreiste Schwankung können die Prämie erhöhen. Das sind Zusammenhänge bei sonst vergleichbaren Bedingungen; der tatsächliche Preis entsteht am Markt. Ein größerer Spread und geringe Liquidität können den realen Kauf oder Verkauf zusätzlich verteuern.
Oberhalb des Strikes gibt es im vereinfachten Protective-Put-Modell keine feste Gewinnobergrenze. Der rechnerische Break-even liegt bei einem ETF-Endkurs von 102 €, weil dann 100 Anteile die anfänglichen 10.000 € plus 200 € Prämie ausgleichen.
Was beim tatsächlichen Kontrakt geprüft werden muss
Prüfe den konkreten Basiswert, die Währung, den Multiplikator und die Laufzeit. Eurex listet Optionen auf ausgewählte ETFs mit unterschiedlichen Kontraktgrößen; 100 Anteile sind keine universelle Regel für jeden Kontrakt.
Ein Put auf einen Index oder einen anderen ETF kann ein ähnliches Marktrisiko abdecken, aber das Depot entwickelt sich nicht zwingend identisch. Diese Abweichung heißt Basisrisiko. Hinzu kommen mögliche Währungsunterschiede und eine nur ungefähr passende Anzahl von Kontrakten.
Bei physischer Lieferung wird das Verkaufsrecht über die Lieferung der ETF-Anteile zum Strike umgesetzt. Der Put-Wert in unserer Tabelle ist dessen wirtschaftlicher Gegenwert; er wird nicht zusätzlich zu einem bereits zum Strike liquidierten Bestand noch einmal ausgezahlt. Bei einem Barausgleich gelten andere Abrechnungsregeln.
Vor dem Verfall hat die Option neben ihrem inneren Wert oft Zeitwert. Ein vorzeitiger Verkauf der Kombination ist deshalb nicht dieselbe Rechnung wie die Verfalltabelle. Nach dem Verfall endet die Absicherung; eine Verlängerung erfordert einen neuen Vertrag und eine neue Prämie.
Die Grundlagen zu Ausübung, Lieferung und Zuteilung helfen, diesen Unterschied einzuordnen. Dieses Beispiel legt keinen bestimmten Kontrakt oder Hedge für dein Depot nahe.
Vertiefung: Details und Annahmen anzeigen
Für ETF-Endkurs S gilt im vollständig passenden Modell: ETF-Wert = 100 × S. Put-Intrinsik = 100 × max(95 − S, 0). Wirtschaftlicher Endwert = 100 × S + 100 × max(95 − S, 0) − 200 = 100 × max(S, 95) − 200.
Ergebnis = wirtschaftlicher Endwert − 10.000. Alternativ: ETF-Wert + Put-Intrinsik − 10.200. Die Prämie wird in beiden Darstellungen genau einmal berücksichtigt. Der maximale modellierte Verlust beträgt 100 × (100 − 95) + 200 = 700 €.
Die Grafik zeigt Terminalwerte, keine laufende mark-to-market Bewertung. Eine 100-prozentige Stückzahldeckung ist nicht dasselbe wie ein jederzeit delta-neutraler Hedge. Dividendenausschüttungen, Kontraktanpassungen, Steuern, Handelskosten, Ausübungsfristen und Abwicklungsrisiken sind außerhalb des Modells.
Was du als Nächstes verstehen kannst
Strike, Prämie und das Risiko einer gekauften Option einordnen.
Den Verlauf von Ergebnis und Kurs selbst untersuchen.
Den wirtschaftlichen Put-Wert von der tatsächlichen Abwicklung unterscheiden.
Glossar
- Protective Put
- Vorhandene Anteile kombiniert mit einem gekauften Put auf denselben Basiswert.
- Strike
- Der im Optionsvertrag vereinbarte Ausübungspreis.
- Basisrisiko
- Abweichung zwischen Depotentwicklung und dem Basiswert der Absicherung.
BeInOptions Academy
Put-Grundlagen in der Academy üben
Verstehe Verkaufsrecht, Prämie und Laufzeit vor komplexeren Absicherungen.
Academy besuchen