Regulierung · Turbo- und Knock-out-Zertifikate
Der Knock-out-Wissenstest der BaFin: was gefragt wird und wie Sie ihn bestehen
Seit dem 16. Juni 2026 müssen Privatanleger in Deutschland vor dem Kauf eines Turbo- oder Knock-out-Zertifikats bei ihrer Bank eine Abfrage zum „Turbo-Basiswissen“ bestehen. Vorgeschrieben sind sechs Multiple-Choice-Fragen, und alle sechs müssen richtig sein. Das Ergebnis gilt höchstens sechs Monate. Unten können Sie mit eigenen Übungsfragen im Prüfungsformat trainieren.
Von Daniel Berg ·
Zum Bestehen nötig
6 von 6
- Gilt seit
- 16. Juni 2026
- Vorgeschriebene Fragen
- 6, Multiple Choice
- Gültigkeit
- höchstens 6 Monate
- Wiederholen
- beliebig oft*
Quelle: BaFin-Allgemeinverfügung vom 15.10.2025, Anhang II. *Banken dürfen strengere Regeln festlegen, etwa Versuche begrenzen, weitere Fragen stellen oder die Gültigkeit verkürzen.
Was ist der Knock-out-Wissenstest?
Offiziell heißt er Abfrage des Turbo-Basiswissens. Er ist Teil einer Produktinterventionsmaßnahme, die die BaFin am 15. Oktober 2025 als Allgemeinverfügung erlassen hat. Rechtsgrundlage sind Art. 42 MiFIR und § 15 WpHG. Nach einer Umsetzungsfrist von acht Monaten gilt sie seit dem 16. Juni 2026 für alle Wertpapierfirmen, die Turbo-Zertifikate an Kleinanleger mit Sitz in Deutschland verkaufen.
Die Maßnahme besteht aus drei Teilen. Den Test merken Anleger als Erstes, weil er vor dem ersten Kauf steht. Die beiden anderen Teile sehen Sie in der App oder gar nicht mehr.
Wissensabfrage
Vor dem Erwerb fragt Ihre Bank sechs Fragen zu Knock-out, Haltedauer, Kosten, Verlustquote, Kursstellung und Emittentenrisiko ab. Bestanden ist nur mit sechs richtigen Antworten.
Standardisierte Risikowarnung
Werbung, Produktseiten und die Ordermaske müssen einen von der BaFin vorgegebenen Warnhinweis gut sichtbar zeigen, unmittelbar vor jedem Kauf.
Keine Kaufanreize
Ermäßigte oder erlassene Ordergebühren, Neukundenboni, Prämien und andere Vorteile speziell für Turbo-Käufe sind verboten.
Wer muss den Test machen und für welche Produkte?
Die Pflicht trifft Kleinanleger mit Sitz in Deutschland, also Privatkunden im Sinne des WpHG. Durchführen muss die Abfrage die Wertpapierfirma, über die Sie kaufen. Das gilt laut BaFin auch für Banken und Broker aus anderen EWR-Staaten, die grenzüberschreitend an deutsche Kleinanleger verkaufen. Professionelle Kunden sind nicht erfasst.
Entscheidend ist, wie das Produkt gebaut ist, nicht wie es heißt. Die BaFin definiert Turbo-Zertifikate als übertragbare Wertpapiere in Form von Inhaberschuldverschreibungen, die einen Basiswert gehebelt abbilden und bei Erreichen einer festgelegten Knock-out-Schwelle sofort verfallen. Im Handel heißen sie unter anderem:
- Turbo-Zertifikate, Turbo-Optionsscheine, Turbo-Knock-out
- Knock-out-Optionsscheine und Knock-out-Zertifikate
- Mini-Futures
- Varianten wie Open-End-Turbos, Smart-Turbos, BEST-Turbos oder X-Turbos
Der Test ersetzt nicht die Angemessenheitsprüfung nach MiFID II, in der Ihre Bank allgemein nach Kenntnissen und Erfahrungen fragt. Er kommt zusätzlich hinzu. Banken dürfen beide Abfragen aber in einem Ablauf zusammenfassen.
So läuft die Abfrage ab: die Regeln aus Anhang II
Wie die Abfrage aussehen muss, regelt Anhang II der Allgemeinverfügung sehr genau. Die BaFin gibt sechs Fragen mit je drei Antwortmöglichkeiten vor. Banken dürfen sie sprachlich anpassen und die Reihenfolge ändern, aber nicht den Inhalt.
| Punkt | Vorgabe | Was Banken anders machen dürfen |
|---|---|---|
| Fragen | Mindestens die 6 vorgegebenen Fragen, Multiple Choice | Weitere Fragen ergänzen |
| Bestehen | Alle 6 vorgegebenen Fragen richtig | – |
| Wiederholen | Beliebig oft, keine Wartefrist | Zahl der Versuche begrenzen |
| Ergebnis | Sofort nach der Abfrage; bei Fehlern werden die richtigen Antworten angezeigt | – |
| Gültigkeit | Höchstens 6 Monate, danach vor dem nächsten Kauf neu | Kürzer, bis hin zu jeder Order |
Inhaltlich decken die sechs Pflichtfragen laut BaFin diese Themen ab: was beim Erreichen der Knock-out-Schwelle passiert, für welche Haltedauer Turbos ausgelegt sind, welche Kosten anfallen, wie hoch der Anteil der Anleger mit Verlust ist, ob Market Maker jederzeit Kurse stellen müssen und was bei einer Pleite des Emittenten passiert. Genau diese sechs Themen fragt der Prüfungsmodus unseres Trainers ab, mit selbst formulierten Fragen.
Warum es den Test gibt: die Zahlen der BaFin
Grundlage ist eine Marktuntersuchung der BaFin. Sie hat die Meldedaten von rund 113 Millionen Transaktionen ausgewertet, die etwa 543.000 deutsche Kleinanleger zwischen dem 1. Januar 2019 und dem 31. Dezember 2023 in Turbo-Zertifikaten getätigt haben.
74,2 % mit Verlust
So viele Kleinanleger hatten über die fünf Jahre mehr realisierte Verluste als Gewinne.
6.358 Euro
So viel verloren Kleinanleger im Beobachtungszeitraum im Durchschnitt.
Über 3,4 Mrd. Euro
So hoch war der Gesamtverlust aller deutschen Kleinanleger mit Turbos in dieser Zeit.
Besonders deutlich ist der Zusammenhang mit der Handelshäufigkeit. Wer mehr Trades machte, lag nicht häufiger, sondern seltener im Plus:
| Transaktionen im Zeitraum | Anteil mit Verlust |
|---|---|
| 1 bis 10 | rund 70 % |
| 10 bis 100 | 76 % |
| 100 bis 500 | rund 83 % |
| 500 bis 1.000 | 88 % |
| über 1.000 | 91 % |
Die BaFin bemängelt vor allem die hohe Komplexität der Produkte und die Vermarktungspraktiken. Die allgemeine Angemessenheitsprüfung reiche nicht aus, um sicherzustellen, dass Anleger die besonderen Risiken tatsächlich verstehen. Deshalb gibt es jetzt eine eigene Abfrage. Weil bei Fehlern die richtigen Antworten angezeigt werden müssen, soll sie auch etwas beibringen.
Wie Knock-out-Zertifikate funktionieren: Schwelle, Hebel, Kosten, Gaps
Wer die Mechanik versteht, braucht keine auswendig gelernten Antworten. Ein Long-Turbo funktioniert so: Der Emittent finanziert den größten Teil des Basiswerts bis zum Finanzierungslevel (oft auch Basispreis genannt). Sie zahlen nur die Differenz darüber, umgerechnet mit dem Bezugsverhältnis. Daher kommt der Hebel. Fällt der Basiswert auf die Knock-out-Schwelle, verfällt das Zertifikat sofort.
- Preis eines Long-Turbos ≈ (Kurs des Basiswerts − Finanzierungslevel) × Bezugsverhältnis, zuzüglich eines eventuellen Aufgelds.
- Hebel ≈ Kurs des Basiswerts × Bezugsverhältnis ÷ Preis des Zertifikats. Je näher die Schwelle am Kurs liegt, desto höher der Hebel und desto weniger Bewegung reicht für den Totalverlust.
- Finanzierungskosten werden meist täglich über eine Anpassung des Finanzierungslevels verrechnet. Steht der Basiswert still, verliert ein Long-Turbo deshalb langsam an Wert.
- Short-Turbos sind das Spiegelbild: Finanzierungslevel und Schwelle liegen über dem Kurs, der Knock-out droht bei steigenden Kursen.
Gerundete, ausgedachte Zahlen ohne Spread. Knock-out-Schwelle gleich Finanzierungslevel.
- Aktie
- 100 €
- Finanzierungslevel
- 90 €
- Bezugsverhältnis
- 0,1
- Preis / Hebel
- 1,00 € / 10
1Kauf
Sie kaufen 1.000 Zertifikate zu je (100 − 90) × 0,1 = 1,00 €, also 1.000 € Einsatz. Die Position verhält sich wie 100 Aktien im Wert von 10.000 €.
2Aktie +5 %
Bei 105 € ist das Zertifikat (105 − 90) × 0,1 = 1,50 € wert. Sie liegen 50 % im Plus, das Zehnfache der Aktienbewegung.
3Aktie −5 %
Bei 95 € sind es nur noch 0,50 €, also −50 %. Der Hebel ist jetzt auf 19 gestiegen, weil der Abstand zur Schwelle geschrumpft ist.
4Aktie ruht 30 Tage
Mit einem angenommenen Finanzierungssatz von 5 % p. a. steigt das Finanzierungslevel auf rund 90,37 €. Das Zertifikat ist bei unveränderter Aktie nur noch etwa 0,96 € wert, rund −4 %.
5Aktie berührt 90 €
Knock-out. Das Zertifikat verfällt sofort und wird mit einem Minimalbetrag ausgebucht: Totalverlust von rund 1.000 €, auch wenn die Aktie am nächsten Tag wieder bei 100 € steht.
Der Hebel wirkt in beide Richtungen und wird kurz vor der Schwelle immer größer. Ein Fehler beim Timing kostet bei einem Knock-out den ganzen Einsatz, nicht nur einen Teil davon.
Kurslücken (Gaps) sind das unterschätzte Risiko. Schließt eine Aktie knapp über Ihrer Schwelle und eröffnet am nächsten Morgen nach einer Nachricht darunter, tritt der Knock-out mit der Eröffnung ein. Zwischen Schlusskurs und Eröffnung gab es keinen Kurs, zu dem eine Stop-Order hätte ausgeführt werden können. Bei Produkten mit Schwelle über dem Finanzierungslevel, etwa vielen Mini-Futures, wird nach dem Knock-out ein Restwert ermittelt. Springt der Kurs auch unter das Finanzierungslevel, kann dieser Restwert sehr klein sein oder ganz entfallen.
Dazu kommen drei Risiken, auf die die BaFin ausdrücklich hinweist: Market Maker sind grundsätzlich nicht verpflichtet, jederzeit Kurse zu stellen, und können die Kursstellung bei hoher Volatilität aussetzen. Emittenten behalten sich regelmäßig vor, Turbos zu kündigen. Und als Inhaberschuldverschreibung trägt jedes Zertifikat das Ausfallrisiko des Emittenten. Die Einlagensicherung greift dafür nicht.
Jetzt üben: der Wissenstest-Trainer
Üben Sie mit eigenen Fragen zu allen Themen der BaFin-Abfrage. Im Übungsmodus sehen Sie nach jeder Antwort die Erklärung. Der Prüfungsmodus stellt wie die echte Abfrage sechs Fragen und gilt nur als bestanden, wenn alle sechs richtig sind.
Dies ist ein Übungstrainer von BeInOptions, nicht die Abfrage Ihrer Bank. Die offiziellen Fragen formuliert jede Bank selbst auf Basis der BaFin-Vorgaben.
Übungsmodus
Alle Fragen oder ein Thema, mit Erklärung nach jeder Antwort.
Prüfungsmodus
6 Fragen, eine je Pflichtthema. Bestanden nur mit 6 von 6.
- Knock-out
- Haltedauer
- Kosten
- Verlustquote
- Kursstellung
- Emittentenrisiko
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Erinnerung zum Erneuern
Eine bestandene Abfrage gilt höchstens sechs Monate. Tragen Sie ein, wann Sie den Test bei Ihrer Bank bestanden haben, und laden Sie einen Kalendertermin herunter.
Die Datei wird in Ihrem Browser erzeugt, es werden keine Daten übertragen. Ihre Bank darf die Gültigkeit auch kürzer festlegen.
Häufige Fragen
Was ist der Knock-out-Wissenstest?
Die „Abfrage des Turbo-Basiswissens“, die Banken und Broker seit dem 16. Juni 2026 vor dem Kauf eines Turbo- oder Knock-out-Zertifikats durchführen müssen. Grundlage ist die Allgemeinverfügung der BaFin vom 15. Oktober 2025. Sie betrifft Kleinanleger mit Sitz in Deutschland.
Wie viele Fragen hat der Test, und wann ist er bestanden?
Die BaFin schreibt mindestens sechs Multiple-Choice-Fragen vor. Bestanden ist der Test nur, wenn alle sechs richtig beantwortet sind. Angaben wie „6 von 8“ entsprechen nicht dem Text der Allgemeinverfügung. Banken dürfen zusätzliche Fragen stellen.
Wie oft muss ich den Test wiederholen?
Eine bestandene Abfrage ist höchstens sechs Monate gültig. Danach müssen Sie sie vor dem nächsten Turbo-Kauf erneut bestehen. Ihre Bank darf die Frist verkürzen oder die Fragen sogar vor jeder Order stellen.
Was passiert, wenn ich durchfalle?
Sie bekommen das Ergebnis sofort, bei Fehlern mit den richtigen Antworten. Nach den BaFin-Vorgaben dürfen Sie die Abfrage beliebig oft und ohne Wartefrist wiederholen. Ihre Bank darf die Zahl der Versuche aber begrenzen. Bis Sie bestehen, können Sie bei ihr keine Turbos kaufen.
Gilt der Wissenstest auch für CFDs?
Nein. Die Allgemeinverfügung erfasst nur Turbo-Zertifikate, also Inhaberschuldverschreibungen mit Knock-out-Schwelle. Für CFDs gilt seit 2019 eine eigene BaFin-Allgemeinverfügung mit Hebelgrenzen, Glattstellung bei 50 Prozent der Margin, Schutz vor Nachschusspflicht und einem Verbot von Kaufanreizen.
Ersetzt der Test die Angemessenheitsprüfung?
Nein. Die Abfrage kommt zur Angemessenheitsprüfung nach MiFID II hinzu. Banken dürfen beide aber in einem Ablauf kombinieren, solange alle Vorgaben aus Anhang II eingehalten werden.
Gibt es noch Neukundenboni oder Gratis-Trades für Turbos?
Nicht mehr im Zusammenhang mit Turbo-Käufen. Seit dem 16. Juni 2026 sind monetäre und nicht monetäre Vorteile wie ermäßigte oder erlassene Ordergebühren, Neukundenboni oder Prämien dafür verboten. Tutorials, Analysetools und Börsenkurse zählen ausdrücklich nicht als solche Vorteile.
Ist der Trainer auf dieser Seite der offizielle Test?
Nein. Der Trainer ist ein Übungsangebot von BeInOptions mit selbst formulierten Fragen. Er deckt die Themen der Pflichtabfrage ab und bildet ihr Format nach: sechs Fragen, bestanden nur mit sechs richtigen Antworten. Den verbindlichen Test legen Sie bei Ihrer Bank ab.
So geht es weiter
Alle Zahlenbeispiele auf dieser Seite sind gerundete, illustrative Annahmen und keine Marktdaten. Regulatorische Angaben stammen aus den verlinkten Veröffentlichungen der BaFin (Stand: Oktober 2026); maßgeblich ist allein der Text der Allgemeinverfügung. Der Inhalt dient der Bildung und ist keine Anlage- oder Rechtsberatung. Turbo- und Knock-out-Zertifikate sind hochriskant; ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist möglich.