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Max Pain bei Optionen: Berechnung und Grenzen der Theorie

Max Pain bezeichnet hier den Verfallskurs, bei dem der aufsummierte innere Wert einer festen Optionskette am kleinsten ist. Die Rechnung nutzt offene Call- und Put-Kontrakte je Strike. Sie liefert einen analytischen Vergleichswert, kein verlässliches Kursziel.

BeInOptions Team ·

Eine hypothetische Optionskette

Verfall bei 95 €25.000 €
Verfall bei 100 €10.000 € · Minimum
Verfall bei 105 €20.000 €

Summe der inneren Werte · Prämien unbekannt · Minimum ist keine Prognose.

Inhalt

Das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Max Pain minimiert den modellierten inneren Gesamtwert einer ausgewählten Optionskette am Verfall.
  • Open Interest zählt noch offene Kontrakte. Es verrät nicht, wer welche Position hält oder wie diese abgesichert ist.
  • Call- und Put-Werte müssen über alle relevanten Strikes mit dem passenden Multiplikator addiert werden.
  • Im Beispiel ist 100 € der Kandidat: 10.000 € Gesamtwert statt 25.000 € bei 95 € oder 20.000 € bei 105 €.
  • Ein niedrigster Modellwert beweist weder einen Kursmagneten noch Manipulation. Neue Daten können ihn verändern.

Was der Name Max Pain meint – und was berechnet wird

Eine Option kann am Verfall einen inneren Wert haben. Ein Call liegt im Geld, wenn der Kurs über seinem Strike liegt; ein Put, wenn er darunter liegt. Der Strike ist der vereinbarte Ausübungspreis.

Die Max-Pain-Rechnung fragt: Bei welchem angenommenen Verfallskurs wäre die Summe dieser Werte für alle offenen Calls und Puts einer ausgewählten Kette am niedrigsten? Manche Marktteilnehmer betrachten diesen Punkt, um Optionspositionen rund um den Verfall einzuordnen.

Der Name klingt dramatischer als die Rechnung. Ein kleiner innerer Gesamtwert ist nicht automatisch der größte tatsächliche Verlust aller Käufer oder der größte Gewinn aller Verkäufer. Dafür fehlen unter anderem Kaufpreise, Verkaufsprämien, Aktienbestände und weitere Absicherungen.

Hier bedeutet „Auszahlung“ der wirtschaftliche innere Wert am Verfall. Bei physischer Lieferung findet stattdessen ein Austausch des Basiswerts zum Strike statt. Der Begriff beschreibt keine zusätzliche Barauszahlung für jeden Kontrakt.

Aktuelle Max-Pain-Werte und die erwartete Bewegung für SPY, QQQ und weitere Ticker berechnet unser Tool Expected Move & Max Pain aus echten Optionsketten.

Open Interest: offene Verträge statt Handelsrichtung

Open Interest, kurz OI, zählt noch offene Kontrakte einer Optionsserie. Eine Serie umfasst einen bestimmten Basiswert, Optionstyp, Strike und Verfall. Ein offener Kontrakt hat eine Long- und eine Short-Seite; er wird nicht deshalb doppelt gezählt.

Das Handelsvolumen zählt dagegen gehandelte Kontrakte in einem Zeitraum. Ein bereits bestehender Vertrag kann den Besitzer wechseln, ohne dass Open Interest steigt. Öffnen beide Seiten neue Positionen, kann OI steigen; schließen beide bestehende Positionen, kann es sinken.

Aus hohem Call-OI lässt sich deshalb nicht einfach ableiten, dass alle Beteiligten auf steigende Kurse setzen. Auch lässt sich aus der öffentlichen Zahl allein keine Netto-Gamma-Position der Dealer ablesen. Im Artikel über Short Squeeze und Gamma Squeeze siehst du, warum diese Positionierung für Hedge-Flüsse entscheidend ist.

Ein kleines Modell mit drei Strikes

Erfundene Daten, keine echte Optionskette

  • Ein hypothetischer Basiswert in Euro und ein gemeinsamer Verfall.
  • Strike 95 €: 10 offene Calls, 40 offene Puts.
  • Strike 100 €: 20 offene Calls, 30 offene Puts.
  • Strike 105 €: 40 offene Calls, 10 offene Puts.
  • Alle Kontrakte haben den angenommenen Multiplikator 100.
  • OI bleibt bis zum Verfall konstant; Prämien, Gebühren und Hedges werden nicht berücksichtigt.

Die drei Strikes haben jeweils 50 offene Kontrakte insgesamt. Trotzdem sind ihre modellierten Verfallwerte unterschiedlich. Einfach den Strike mit dem höchsten Open Interest auszuwählen, ersetzt die Rechnung nicht.

Wir vergleichen zunächst die möglichen Verfallskurse 95 €, 100 € und 105 €. Der Multiplikator 100 macht aus einem inneren Wert von 5 € je Einheit einen Wert von 500 € je Kontrakt. Bei anderen Produkten kann dieser Multiplikator anders sein.

Ändere den Verfallskurs und vergleiche die Beiträge

Wähle einen Kurs. Die Tabelle zeigt, welche Calls und Puts im Geld liegen und wie viel sie zur Summe beitragen. Null bedeutet hier null innerer Wert am Verfall, nicht automatisch null Gewinn oder Verlust über die gesamte Haltedauer.

Welcher Verfallskurs ergibt den kleinsten inneren Gesamtwert?

Erfundene Optionskette · ein Basiswert · ein Verfall · Euro · Multiplikator 100 für alle Kontrakte · Open Interest bleibt unverändert.

Beiträge bei 100 € Verfallskurs
StrikeOI Call / PutWert Call / Put
95 €10 / 40Call: 5.000 €Put: 0 €
100 €20 / 30Call: 0 €Put: 0 €
105 €40 / 10Call: 0 €Put: 5.000 €

Innerer Gesamtwert bei 100 €: 10.000 €

95 € Verfallskurs25.000 €
100 € Verfallskurs10.000 € · kleinstes Modell-Ergebnis
105 € Verfallskurs20.000 €

Rechnung je Zeile: Call = max(Kurs − Strike, 0) × Call-OI × 100; Put = max(Strike − Kurs, 0) × Put-OI × 100. Danach alle Zeilen addieren. 100 € ist hier der rechnerische Kandidat, keine Kursprognose. Prämien und Hedges sind nicht enthalten.

Warum 100 € in dieser Kette das Minimum ist

Bei 100 € haben die 10 Calls mit Strike 95 € jeweils 5 € inneren Wert je Einheit. Ihr Gesamtwert beträgt 5 € × 10 × 100 = 5.000 €. Die 10 Puts mit Strike 105 € tragen ebenfalls 5 € × 10 × 100 = 5.000 € bei. Alle übrigen Optionen haben keinen inneren Wert. Zusammen ergibt das 10.000 €.

Bei 95 € bleiben alle Calls ohne inneren Wert. Die Puts mit Strike 100 € ergeben 5 € × 30 × 100 = 15.000 €, jene mit Strike 105 € ergeben 10 € × 10 × 100 = 10.000 €. Die Summe ist 25.000 €.

Bei 105 € bleiben alle Puts ohne inneren Wert. Die Calls mit Strike 95 € ergeben 10 € × 10 × 100 = 10.000 €, jene mit Strike 100 € ergeben 5 € × 20 × 100 = 10.000 €. Die Summe ist 20.000 €.

In diesem festen Modell fällt die Summe bis 100 € und steigt danach wieder. Daher ist 100 € der eindeutige Kandidat. Auch am Minimum bleiben zwei Serien im Geld: Max Pain bedeutet nicht, dass alle Optionen wertlos verfallen.

Warum das Minimum kein bewiesener Kursmagnet ist

Eine Summenrechnung schafft noch keinen Auftrag, Aktien zu kaufen oder zu verkaufen. Der Marktpreis entsteht aus tatsächlich handelnder Nachfrage und tatsächlichem Angebot. Nachrichten, Quartalszahlen, große Aktienorders und allgemeine Marktbewegungen können Optionskonzentrationen überlagern.

Es gibt Forschung zu Pinning: Kursen, die sich nahe einem Optionsstrike zum Verfall konzentrieren. Das Modell von Avellaneda, Kasyan und Lipkin behandelt dabei bestimmte Positionierungs- und Hedging-Bedingungen. Diese Forschung ist keine Bestätigung dafür, dass der globale Max-Pain-Wert jeder Optionskette ein verlässliches Ziel ist.

  • OI verändert sich: Neue Positionen, Schließungen, Ausübungen und Rollen in andere Laufzeiten verändern den Datenbestand.
  • Positionen sind verknüpft: Ein Call kann Teil eines Spreads, einer Aktienabsicherung oder einer anderen Kombination sein.
  • Teilnehmer bleiben unbekannt: OI identifiziert nicht einfach Käufer, Verkäufer oder deren Nettorisiko.
  • Verfall ist produktspezifisch: Ausübungsstil, Abrechnungszeitpunkt, Referenzkurs und physische Lieferung oder Barausgleich müssen passen.
  • Datenqualität zählt: Ein alter OI-Snapshot oder fehlende Strikes können ein anderes Minimum liefern.

Ein Kurs nahe dem berechneten Wert beweist keine Manipulation. Ein Kurs weit davon entfernt widerlegt wiederum nicht die Grundrechnung; er zeigt, dass eine statische Auszahlungssumme den tatsächlichen Kurs nicht bestimmen muss. Als Analysehilfe kann Max Pain eine Optionskette beschreiben. Für eine Handelsentscheidung allein reicht diese Zahl nicht.

Vertiefung: Details und Annahmen anzeigen

Für jeden Strike K mit Call-OI C und Put-OI P und gemeinsamem Multiplikator m lautet der Beitrag bei Verfallskurs S: m × [C × max(S − K, 0) + P × max(K − S, 0)]. Die Zielfunktion ist die Summe über alle Strikes des gewählten Verfalls.

Diese Funktion ist stückweise linear und konvex. Im Beispiel beträgt ihre Steigung zwischen 95 und 100 €: 100 × [10 − (30 + 10)] = −3.000 € Gesamtwert pro 1 € Kursanstieg. Zwischen 100 und 105 €: 100 × [(10 + 20) − 10] = +2.000 €. Das Minimum liegt daher bei 100 €. Außerhalb der äußersten Strikes fällt bzw. steigt die Summe weiter zum Inneren hin.

Allgemein können mehrere Kandidaten denselben Minimalwert haben; bei einer Steigung von null kann ein ganzes Intervall minimieren. Eine Software sollte Gleichstände zeigen. Bei unterschiedlichen Multiplikatoren ist jede Serie getrennt zu gewichten. Verschiedene Verfälle oder Abrechnungsbasen sollten nicht unbemerkt zu einer Kette vermischt werden.

Das Minimum dieser Zielfunktion ist keine Gewinnoptimierung identifizierter Stillhalter. Prämien und Hedge-Ergebnisse sind unbekannt. Selbst ein vollständig berechneter OI-Snapshot liefert keine Wahrscheinlichkeit dafür, dass der Basiswert am Minimum abrechnet.

Was du als Nächstes verstehen kannst

Live: Expected Move & Max Pain

Max Pain und erwartete Bewegung aus aktuellen Optionsketten ablesen.

Eine Optionskette richtig lesen

Strike, Verfall, Volumen und Open Interest im Zusammenhang verstehen.

Dealer-Hedging und Gamma Squeezes vergleichen

Warum die tatsächliche Positionierung die Hedge-Richtung verändert.

Abwicklung am Verfall verstehen

Ausübung, Lieferung und Zuteilung von reinen Modellwerten unterscheiden.

Glossar

Open Interest
Anzahl noch offener Kontrakte einer Optionsserie.
Innerer Wert
Der positive Auszahlungswert einer Option bei sofortiger Ausübung bzw. am Verfall.
Pinning
Beobachtete Konzentration von Verfallskursen nahe einem Strike unter bestimmten Bedingungen.

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Häufig gestellte Fragen