Morgen um 14:00 Uhr deutscher Zeit treffen sich die Köpfe der US-Notenbank und verkünden ihre nächste Zins-Entscheidung. Das ist der wichtigste Moment der Woche — und dein Depot könnte um 1-3% schwanken, je nachdem wie es ausgeht.
Die Story dahinter
Die US-Inflation bleibt hartnäckig über dem 2%-Ziel der Fed. Der Arbeitsmarkt ist stark. Das alles deutet darauf hin, dass die Zentralbank handeln könnte. Im Juli hielten sie die Zinsen bei 3,5-3,75% — aber schon damals stimmten drei Mitglieder dafür, sie zu erhöhen.
Dann kam Fed-Chef Kevin Warsh Ende August zu Jackson Hole und machte deutlich: "Wenn die Inflation nicht sinkt, müssen wir erhöhen." Die Märkte machten Kopfstand. Plötzlich preis jeder ein, dass die Fed morgen erhöhen könnte — zum ersten Mal seit Dezember 2023.
Was könnte passieren?
Szenario A: Die Fed erhöht um 0,25%
- Neue Zielrate: 3,75-4,00%
- Tech-Aktien fallen 2-3% (Apple, Nvidia, Microsoft leiden unter höheren Zinsen)
- Banken-Aktien steigen (Höhere Zinsen = höhere Kreditmarge für Banken)
- Anleihen fallen zuerst, dann stabilisieren sie sich
Szenario B: Die Fed wartet ab
- Zinsen bleiben 3,5-3,75%
- Märkte interpretieren das als "Inflation besiegt" — Tech-Aktien EXPLODIEREN um 2-4%
- Gold fällt (weniger Zinsschutz nötig)
- Dollar schwächt sich ab
Was heißt das für DEIN Geld?
Wenn du einen ETF-Sparplan hast (wie ich), dann passiert folgendes: Bei einem Hike fällt dein Portfolio kurzfristig 2-3%. Aber — und das ist wichtig — du kaufst dann einfach weiter monatlich. Dein nächster Sparplan-Kauf 10 Tage später bekommt 2-3% Rabatt. Das ist keine Katastrophe, das ist ein Angebot.
Mein Kumpel Kalle wird morgen wahrscheinlich panisch verkaufen, wenn die Zahlen rot werden. Genau das würde ich dir abraten. Warsh hat auch gesagt, dass nur EINE Erhöhung geplant ist — danach warten sie wieder ab. Das ist keine agressive Zinsstraffung wie 2022, das ist eine Vorsichtsmaßnahme.
Meine Frau Sabine fragte mich gestern: "Sollen wir nicht einfach alles verkaufen und in Bargeld gehen?" Ich hab ihr geantwortet: Nein. Dafür ist Bargeld viel zu niedrig verzinst, und wir würden danach der Verlockung erliegen, beim nächsten Angstschub wieder rein zu gehen. Das ist wie Rauchen und Aufhören spielen.
Wie Anfänger darauf reagieren sollten
- Schau morgen zu, aber überreagiere nicht. Märkte sind am selben Tag oft rot, eine Woche später wieder grün. Das ist normal.
- Wenn du noch keinen ETF-Sparplan hast: Das ist dein Signal, JETZT anzufangen. Die nächsten Tage könnten günstige Einstiegskurse bringen.
- Wenn du schon sparst: Nächste Tranche wie geplant durchziehen. Nicht ändern.
- Wenn du vor Angst zitterst: Das war auch ich 2000 bei der T-Aktie. Die Angst lässt nach. Geduld ist das erste Wort an der Börse.
Zwei Stunden vor der Entscheidung
Morgen um 12 Uhr werden die Retail-Sales-Daten aus den USA veröffentlicht (wie viel die Amerikaner gestern gekauft haben). Das ist ein Vorzeichen. Wenn die gut sind, steigt die Hoffnung auf einen Hike. Wenn sie schwach sind, wackelt die Erwartung.
Um 13 Uhr werden wahrscheinlich schon Algorithmen und Hedgefonds ihre Positionen anpassen. Es wird laut. Um 14 Uhr ist Schluss mit Vermutungen.
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Vergangene Wertentwicklungen sind kein Indikator für künftige Ergebnisse.
