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markets10. September 20264 Min. Lesezeit

Credit Spreads bei 2,88%: Das stille Warnsignal vor dem Sturm

Credit Spreads stehen bei 2,88% — 87% niedriger als vor der Finanzkrise 2008. Das bedeutet: Anleger fühlen sich zu sicher. Historisch ist das der Moment vor dem Crash.

Sofia
Sofia·Krypto- & Makro-Analystin

Die Ruhe vor dem Sturm

Ich hab heute Morgen auf mein Depot geschaut und dachte: alles läuft. S&P auf Allzeithoch, keine Panik, VIX bei 14. Meine Tochter Lena hat mich gefragt: "Papa, warum kaufst du jetzt nichts nach?" Gute Frage.

Dann hab ich eine Zahl gesehen, die mich sofort an 2008 erinnert hat: Credit Spreads bei 2,88%. Das klingt technisch, ist es aber nicht. Das ist die Zahl, die dir sagt, wie viel Risiko der Markt WIRKLICH sieht.

Was sind Credit Spreads — einfach erklärt

Credit Spreads sind der Unterschied zwischen dem Zins, den eine sichere Staatsanleihe zahlt, und dem, was riskante Firmen zahlen müssen. Je niedriger diese Zahl, desto weniger Angst haben Anleger vor Pleiten.

2,88% ist brutal niedrig. Zum Vergleich:

  • 2008 Finanzkrise: Spreads bei 21,82%
  • 2020 Corona-Panik: 10,87%
  • Heute: 2,88%

Das bedeutet: Der Markt glaubt, die Welt ist sicherer als vor Corona. Ernsthaft? Nach Nahost-Eskalation, Inflation, und der Fed, die noch nicht fertig ist mit Zinsen?

Was die Profis sehen — und was sie tun

Hier wird's interessant. Während normale Anleger weiter Tech-Aktien kaufen, sehe ich heute massive Verschiebungen:

Institutionelles Geld fließt raus aus Tech, rein in defensive Sektoren:

  • Utilities (Strom, Wasser) +32% im September
  • Healthcare (Pharma, Versicherungen) +28%
  • Consumer Staples (Basics wie Procter & Gamble) +35%

Das sind die Aktien, die du kaufst, wenn du denkst: "Es kommt was Unangenehmes."

Und dann die Konsumenten-Daten von letzter Woche: Retail Sales +0,2% (erwartet waren +0,5%). Menschen geben weniger aus. Das ist kein Crash-Signal, aber es ist ein Vorsicht-Signal.

Meine T-Aktien-Lektion — ich war auch mal so blauäugig

Ich kenn das Gefühl. 2000 stand ich genau da: T-Aktie bei 100 Euro, alle haben gekauft, niemand hat Risiko gesehen. Spreads waren damals auch niedrig. "Volksaktie", haben sie gesagt. Drei Jahre später war sie bei 8 Euro.

Das Problem mit niedrigen Credit Spreads: Sie zeigen nicht Sicherheit, sie zeigen Selbstzufriedenheit.

Historisch passiert immer dasselbe:

  1. Spreads fallen tief (alle fühlen sich sicher)
  2. Niemand glaubt, dass es dieses Mal anders sein könnte
  3. Dann kommt der Schock — und Spreads explodieren in Wochen

Was das für dein Geld bedeutet

Ich sage nicht: verkauf alles. Ich sage: sei vorsichtig mit neuem Geld jetzt.

Wenn du 10.000 Euro im DAX-ETF hast und der Markt 5-7% korrigiert (das ist der historische Durchschnitt nach solchen Spread-Tiefs), dann sind das 500-700 Euro Verlust — auf dem Papier. Nur ein Problem, wenn du in Panik verkaufst.

Was ich gerade mache:

  • Kein neues Geld in Tech
  • Kleine Positionen in Utilities und Healthcare aufgebaut (Duke Energy, Johnson & Johnson)
  • Cash-Quote auf 20% hochgefahren — falls es wirklich kracht, kann ich dann günstig nachkaufen

Mein Kumpel Kalle hat mir gestern geschrieben: "Alles steigt, warum bist du so vorsichtig?" Ich hab ihm gesagt: "Weil ich die T-Aktie mitgemacht hab. Und weil Credit Spreads nicht lügen."

Was Profis jetzt beobachten

Wenn du schlau sein willst, beobachte diese drei Dinge:

  1. Credit Spreads über 4,5% = ernsthafte Warnung
  2. Retail Sales drei Monate hintereinander unter Erwartung = Rezession möglich
  3. VIX über 20 für mehr als eine Woche = Panik kommt

Wir sind noch nicht da. Aber wir sind näher dran, als die meisten glauben.

Bleib ruhig. Bleib dran.

Das Wichtigste: keine Panik. Credit Spreads können auch noch Monate niedrig bleiben. 2007 waren sie tief, der Crash kam erst 2008.

Aber wenn du heute fragst: "Soll ich jetzt noch einsteigen?" — dann ist meine ehrliche Antwort: warte. Lass das große Geld seine Rotation zu Ende machen. Beobachte die Konsumenten-Daten. Und wenn alle anfangen zu verkaufen, dann bist du der mit dem Cash, der günstig nachkaufen kann.

Das ist kein sexy Rat. Aber es ist der Rat, den ich mir 2000 gewünscht hätte.

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Vergangene Wertentwicklungen sind kein Indikator für künftige Ergebnisse.

Quellen

BeInOptions Research

Häufig gestellte Fragen

Was sind Credit Spreads und warum sind sie wichtig?

Credit Spreads sind der Zinsunterschied zwischen sicheren Staatsanleihen und riskanteren Unternehmensanleihen. Bei 2,88% heute sind sie 87% niedriger als vor der Finanzkrise 2008. Das zeigt: Anleger sehen fast kein Risiko — historisch ein Warnsignal vor Korrekturen.

Warum fließt Geld in defensive Sektoren?

Institutionelle Investoren verschieben Kapital aus Tech in Utilities (+32% Sept.), Healthcare (+28%) und Consumer Staples (+35%). Das ist typisch, wenn große Anleger glauben, dass eine Korrektur oder wirtschaftliche Abschwächung kommt.

Sollte ich jetzt verkaufen?

Nein, aber sei vorsichtig mit neuem Geld. Credit Spreads können monatelang niedrig bleiben. Besser: Cash-Quote erhöhen (15-20%), defensive Sektoren beimischen, und bei Tech-Positionen Gewinne sichern. Wenn der Markt 5-7% korrigiert, kannst du günstig nachkaufen.

Was war die T-Aktien-Lektion?

Daniel kaufte 2000 die Telekom-Aktie bei ~100 Euro, als niemand Risiko sah. Sie fiel auf 8 Euro. Die Lektion: Niedrige Credit Spreads und allgemeine Euphorie sind oft das Signal, vorsichtig zu sein — nicht mutiger.

Welche Warnsignale sollte ich jetzt beobachten?

1) Credit Spreads über 4,5% (ernste Warnung), 2) Retail Sales drei Monate unter Erwartung (Rezessions-Signal), 3) VIX über 20 für eine Woche (Panik). Aktuell sind wir nicht da — aber näher als viele glauben.

Wichtige Options-Begriffe

Kurze Auffrischung der Begriffe, die in Options-Meldungen wie dieser immer wieder auftauchen.

Implizite Volatilität (IV)
Die vom Markt erwartete Schwankungsbreite. Steigende IV verteuert Optionen, fallende IV verbilligt sie. IV-Guide
Die Greeks
Delta, Gamma, Theta und Vega messen, wie eine Option auf Kurs, Zeit und Volatilität reagiert. Greeks erklärt
Open Interest
Die Zahl der offenen Kontrakte. Hohes Open Interest an einem Strike markiert eine wichtige Preismarke. Optionskette lesen
Prämie
Der Preis einer Option. Verkäufer vereinnahmen sie, Käufer zahlen sie für das Recht zu handeln. Grundlagen
Ausübung & Zuteilung
Was am Verfallstag geschieht, wenn eine Option im Geld liegt und tatsächlich abgerechnet wird. Mehr dazu
Definiertes Risiko
Strategien wie Spreads, bei denen der maximale Verlust von Anfang an feststeht. Strategien

Optionshandel & News – kurz erklärt

Wie beeinflussen Nachrichten wie diese den Optionspreis?

Nachrichten wirken vor allem über die erwartete Schwankungsbreite: Steigt die Unsicherheit, steigt meist die implizite Volatilität und damit die Prämie – oft unabhängig von der Kursrichtung.

Muss ich auf eine Kursrichtung wetten, um zu profitieren?

Nein. Strategien mit definiertem Risiko wie der Iron Condor oder ein Covered Call setzen eher auf Volatilität und Zeitwert als auf eine exakte Richtung.

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Sofia

Autor

Sofia

Krypto- & Makro-Analystin

Krypto & Makro

Ex-tech analyst+ Jahre

Sofia, 25, ist in Berlin zu Hause und hat Ende 2024 die Tech-Welt verlassen, um eine Content-Marke aufzubauen, die erklärt, was in Krypto und Makro wirklich passiert. Ihr Ansatz ist bewusst kein Nachrichten-Ticker: Sie ist die kluge Freundin beim Brunch, die gerade etwas Interessantes verstanden hat und es dir sofort erzählen muss – nicht die Analystin, die eine Reuters-Schlagzeile vorliest. Wenn ein Text nach Bloomberg-Anchor klingt, schreibt sie ihn neu. Bei BeInOptions bringt Sofia diese Perspektive in Krypto-, Makro- und Marktthemen ein: verständlich, ehrlich und ohne den Jargon, an dem die meisten hängenbleiben.

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