← Zur Übersicht: Wie entstehen Kurse

Angebot, Nachfrage & Order Flow

Jeder Kurs – ob Aktie, Bitcoin oder Euro – entsteht auf dieselbe Weise: aus dem Ringen zwischen Käufern und Verkäufern. Wer dieses Fundament versteht, versteht alle Märkte.

Ein Preis ist eine Einigung, kein fester Wert

Stellen Sie sich einen Wochenmarkt vor. Ein Händler ruft „drei Euro pro Kilo Äpfel". Ein Kunde sagt „ich zahle zwei fünfzig". Kommen sie bei zwei achtzig zusammen, ist das der Preis – aber nur für dieses eine Geschäft, in diesem Moment. An der Börse ist es genauso, nur schneller und tausendfach parallel. Der Kurs, den Sie auf dem Bildschirm sehen, ist schlicht der Preis des letzten abgeschlossenen Geschäfts.

Wichtig für Einsteiger: Der Kurs ist keine offizielle Bewertung und kein „richtiger" Preis. Er ist ein ständig neu verhandelter Kompromiss. Deshalb kann derselbe Vermögenswert innerhalb weniger Sekunden zu leicht unterschiedlichen Preisen gehandelt werden.

Das Orderbuch: wo Käufer und Verkäufer warten

Ein Orderbuch (englisch: order book) ist eine live geführte Liste aller offenen Kauf- und Verkaufswünsche. Auf der einen Seite stehen die Käufer mit ihren Preisen, auf der anderen die Verkäufer. Zwei Begriffe sollten Sie kennen:

Bid (Geldkurs)

Der höchste Preis, den irgendein Käufer gerade zahlen will. Die „Nachfrageseite".

Ask (Briefkurs)

Der niedrigste Preis, zu dem irgendein Verkäufer verkaufen will. Die „Angebotsseite".

Die Lücke zwischen Bid und Ask heißt Spread. Sie ist eine Art versteckte Handelskosten: Kaufen Sie zum Ask und verkaufen sofort wieder zum Bid, verlieren Sie den Spread. Bei sehr aktiven Werten wie großen Aktien oder Bitcoin ist der Spread winzig; bei selten gehandelten Werten kann er spürbar groß sein.

Wie sich der Kurs tatsächlich bewegt

Ein Kurs steigt nicht, „weil eine Aktie mehr wert ist". Er steigt, weil Käufer dringender werden. Angenommen, alle Verkaufsangebote bis 100,00 € sind aufgekauft. Der nächste Käufer, der sofort handeln will, muss nun das nächsthöhere Angebot bei 100,05 € nehmen. Damit ist der neue Kurs 100,05 € – der Markt ist „nach oben gelaufen". Genau dieser Vorgang, das Abarbeiten des Orderbuchs, nennt sich Order Flow.

Merksatz: Nicht die Menge an Käufern bewegt den Kurs, sondern die Dringlichkeit. Ein einziger großer, ungeduldiger Käufer kann den Kurs stärker bewegen als hundert geduldige.

Market-Orders bewegen, Limit-Orders warten

Es gibt zwei grundlegende Order-Arten, und der Unterschied erklärt fast alle kurzfristigen Bewegungen. Eine Limit-Order legt einen Preis fest und stellt sich damit ins Orderbuch – sie „liefert" Liquidität und wartet geduldig. Eine Market-Order dagegen sagt „sofort, egal zu welchem Preis" und nimmt die besten verfügbaren Angebote – sie „nimmt" Liquidität und bewegt den Kurs. Immer wenn eine Bewegung schnell und ruckartig ist, stecken meist aggressive Market-Orders dahinter.

Für Sie als Einsteiger heißt das praktisch: Mit einer Limit-Order kontrollieren Sie den Preis, riskieren aber, nicht zum Zug zu kommen. Mit einer Market-Order bekommen Sie garantiert eine Ausführung, zahlen aber in illiquiden Märkten manchmal deutlich mehr, als Sie erwartet haben (das nennt man Slippage).

Warum Liquidität alles verändert

Liquidität bedeutet: Wie viele Orders warten rund um den aktuellen Kurs? In einem tiefen, liquiden Markt liegen dicht gestaffelt große Mengen an Kauf- und Verkaufsorders. Eine einzelne Order verpufft darin fast wirkungslos, und der Kurs bewegt sich in ruhigen, kleinen Schritten. In einem dünnen Markt klaffen große Lücken im Orderbuch – dieselbe Order springt dann über mehrere Preisstufen und erzeugt einen heftigen Ausschlag.

Das erklärt, warum kleine Kryptowährungen oder unbekannte Aktien so wild schwanken, während ein Wert wie der S&P 500 sich meist gemächlich bewegt. Es ist nicht so, dass diese Werte „nervöser" wären – sie haben nur weniger Liquidität, die Bewegungen abfedert.

Passend dazu

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Bid und Ask?

Der Bid (Geldkurs) ist der höchste Preis, den ein Käufer gerade zu zahlen bereit ist. Der Ask (Briefkurs) ist der niedrigste Preis, zu dem ein Verkäufer verkaufen möchte. Der aktuelle „Kurs" liegt meist irgendwo dazwischen und entsteht, sobald sich Käufer und Verkäufer treffen.

Was ist der Spread?

Der Spread ist die Differenz zwischen Bid und Ask. Ein enger Spread (z. B. wenige Cent) bedeutet hohe Liquidität und viele aktive Händler. Ein weiter Spread bedeutet wenig Handel und höhere versteckte Kosten beim Kaufen und Verkaufen.

Warum bewegt sich ein Kurs überhaupt?

Ein Kurs bewegt sich, wenn eine Seite dringender handeln will als die andere. Wollen mehr Käufer sofort kaufen, als Verkäufer zum aktuellen Preis anbieten, arbeiten sich die Käufer im Orderbuch nach oben – der Kurs steigt. Umgekehrt fällt er.

Was bedeutet Liquidität?

Liquidität beschreibt, wie leicht Sie kaufen oder verkaufen können, ohne den Preis stark zu bewegen. Ein liquider Markt (z. B. Apple-Aktien) hat ständig viele Kauf- und Verkaufsorders. In einem illiquiden Markt kann schon eine mittelgroße Order den Kurs deutlich verschieben.

Was ist der Unterschied zwischen einer Market- und einer Limit-Order?

Eine Market-Order kauft oder verkauft sofort zum besten verfügbaren Preis – Sie bekommen Ausführung, aber nicht unbedingt Ihren Wunschpreis. Eine Limit-Order legt einen Preis fest und wartet, bis der Markt ihn erreicht – Sie bekommen Ihren Preis, aber vielleicht keine Ausführung.