Warum Staatsanleihen fallen, wenn die Zinsen steigen
Stell dir vor, du hättest vor fünf Jahren eine deutsche Staatsanleihe mit 20 Jahren Laufzeit gekauft. Damals war der Zins bei 1%. Heute ist er bei 2,3%. Das klingt, als würde das Geld besser arbeiten, aber dein Anleihen-Depot ist um 6,7% gefallen.
Das klingt verrückt, oder? Das ist aber genau wie die Anleihen-Mathematik funktioniert.
Die Wippe-Regel: Zinsen hoch = Anleihenkurs runter
Eine Staatsanleihe ist ein einfacher Deal: Der Staat sagt dir "Gib mir 1.000 Euro, in 20 Jahren geb ich dir dein Geld zurück und zahle dir jedes Jahr ein bisschen Zins." Wenn du das kaufst, hast du einen Vertrag.
Aber hier kommt die böse Überraschung: Andere können die gleiche Anleihe jetzt mit höherem Zins kaufen. Warum würde jemand dein Ding kaufen (mit 1% Zins), wenn er neu eine mit 2,3% Zins kriegt? Er würde dir dein Papier ja nur kaufen, wenn du einen Rabatt gibst. Genau deshalb fällt der Preis.
Die iShares 20+ Year Treasury Bond ETF (TLT) — ein riesiger Topf mit Anleihen — hat von 2021 bis 2026 durchschnittlich -6,7% pro Jahr verloren.
Was das für dein Geld heißt
Wenn du 10.000 Euro in einen Anleihen-ETF gesteckt hast und gehofft hast, dass dein Geld sicher ist: Es ist sicher, es wird dir nicht gestohlen. Aber der Wert auf dem Papier ist nach unten gegangen — weil die Zinsen nach oben gegangen sind.
Das ist kein Drama, solange du die Anleihe bis zum Ende halten kannst. Nach 20 Jahren bekommst du deine 10.000 Euro wieder (plus Zins). Aber wenn du vorher verkaufen musst, hast du Verlust.
Das ist die wichtigste Lektion
Anleihen sind nicht risikofrei. Sie haben ein anderes Risiko als Aktien: nicht "Crash"-Risiko, sondern "Zins-Risiko". Je länger die Laufzeit, desto größer das Zins-Risiko.
Wenn die Zinsen fallen, gewinnen Anleihen. Wenn die Zinsen steigen, verlieren sie. Das ist die Wippe.
Deshalb halten Profis oft kurze Anleihen (2–7 Jahre): Das Zins-Risiko ist kleiner, und du bekommst noch ordentliche Rendite.
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Vergangene Wertentwicklungen sind kein Indikator für künftige Ergebnisse.
