Vor drei Tagen ist etwas passiert, das die meisten Anleger komplett übersehen haben: Die Angst-Messung der Börse — der sogenannte VIX — ist auf 14,2 gefallen. Das ist der niedrigste Stand des ganzen Jahres 2026.
Klingt gut? Ist es nicht.
Die trügerische Ruhe
Der VIX misst, wie nervös die Profis sind. Unter 15 bedeutet: niemand kauft Versicherung gegen einen Crash. Alle fühlen sich sicher. Die Börse steht bei Allzeithochs, der S&P 500 ist dieses Jahr um 16% gestiegen, und niemand erwartet Probleme.
Genau das ist das Problem.
Marktexperten von BTIG warnen: Wenn alle entspannt sind, kommt meist genau dann der Schlag. Die Geschichte zeigt: jedes Mal wenn der VIX unter 15 fiel, folgte innerhalb von 4–8 Wochen ein durchschnittlicher Rückgang von 7–12%.
Was das für dich bedeutet
Stell dir vor, du hast 10.000 Euro in einem ETF. Bei einem 10%-Drop sind das 1.000 Euro Verlust — auf dem Papier. Nicht real, solange du nicht verkaufst. Aber genau jetzt, wo alle entspannt sind, solltest du dir zwei Fragen stellen:
- Hast du noch Geld auf dem Tagesgeld-Konto für Notfälle?
- Würdest du ruhig schlafen, wenn dein Depot morgen 10% im Minus steht?
Wenn die Antwort auf eine dieser Fragen "Nein" ist, dann bist du zu riskant investiert.
Wie Profis jetzt reagieren
Die großen Investoren machen drei Dinge:
Erstens: Sie kaufen günstige Absicherung. Wenn niemand Angst hat, sind Put-Optionen (Versicherungen gegen fallende Kurse) billig. Profis nutzen das.
Zweitens: Sie nehmen Gewinne mit. Wer dieses Jahr 16% gemacht hat, sichert einen Teil davon. Nicht alles — aber einen Teil.
Drittens: Sie bereiten Cash vor. Wenn der Markt fällt, wollen sie kaufen können. Bargeld ist in einem Crash König.
Der gefährliche Zeitraum
Historisch gesehen ist die Zeit von Mitte August bis Mitte Oktober die volatilste des Jahres. Genau in diese Phase gehen wir jetzt — mit einem VIX bei 14,2 und einem Markt, der sich zu sicher fühlt.
Ich habe das Jahr 2000 miterlebt, als die T-Aktie von 100 auf 8 Euro gefallen ist. Damals fühlte sich auch jeder sicher. Ich hab's am eigenen Geld gespürt.
Meine Regel heute: Wenn alle entspannt sind, werde ich vorsichtiger. Nicht panisch — vorsichtiger.
First Steps für Anfänger
Schritt 1: Schau dir dein Depot an. Wenn du heute 10% Verlust siehst — würdest du verkaufen oder ruhig bleiben? Wenn du verkaufen würdest: zu riskant investiert.
Schritt 2: Bau einen Notgroschen auf. Mindestens drei Monatsgehälter auf dem Tagesgeld. Besser sechs. Dann kannst du bei einem Crash ruhig bleiben.
Schritt 3: Überlege, ob du bei einem Drop nachkaufen könntest. Wer in Crashes kauft, macht die besten Renditen — aber nur, wenn er Cash hat.
Bleib ruhig. Bleib dran. Aber sei nicht blind.
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Vergangene Wertentwicklungen sind kein Indikator für künftige Ergebnisse.
