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markets12. Juni 20262 Min. Lesezeit

Put/Call-Ratio bei 1,28: Profis wetten massiv auf fallende Kurse

Ein Put/Call-Ratio von 1,28 bedeutet: Für jeden der auf steigende Kurse wettet, wetten 1,28 andere auf fallende. Das ist der pessimistischste Wert seit über einem Jahr.

Daniel Berg
Daniel Berg·Chefredakteur

Die Zahl die niemand sieht

Während der S&P 500 diese Woche neue Höchststände erreicht, passiert im Hintergrund etwas Ungewöhnliches: Das Put/Call-Ratio — eine Messung wie viele Menschen auf fallende vs. steigende Kurse wetten — steht bei 1,28. Das ist der höchste Wert seit über einem Jahr.

Was bedeutet das konkret? Für jeden Anleger der darauf wettet dass Aktien steigen, gibt es 1,28 andere die auf fallende Kurse setzen. Das ist extrem pessimistisch.

Was die Profis wissen

Erfahrene Trader nutzen diese Zahl als Angst-Barometer. Normalerweise liegt das Verhältnis bei 0,7 bis 1,0 — also mehr Optimismus als Pessimismus. Aber wenn es über 1,2 steigt, wird es interessant.

Warum? Weil dann oft zwei Dinge gleichzeitig passieren:

  1. Hedgefonds sichern sich ab — sie erwarten Turbulenzen und kaufen Versicherungen gegen fallende Kurse
  2. Kleinanleger geraten in Panik — sie verkaufen aus Angst

Beide Gruppen drücken das Ratio nach oben. Und historisch gesehen passiert danach oft etwas Überraschendes: Der Markt dreht nach oben. Warum? Weil wenn alle schon abgesichert sind, gibt es keine Verkäufer mehr.

Der zweite Hinweis: Schwache Market Breadth

Gleichzeitig zeigt die Market Breadth — wie viele Aktien im S&P 500 tatsächlich steigen — ein besorgniserregendes Bild. Nur 60% der Aktien sind in einem echten Aufwärtstrend, während der Index selbst Rekorde feiert.

Das bedeutet: Der S&P 500 wird von einer Handvoll großer Tech-Aktien nach oben gezogen (NVIDIA, Microsoft, Apple), während die Mehrheit der Unternehmen schwächelt. Profis nennen das eine schmale Rallye.

Solche Phasen enden oft abrupt. Entweder breitet sich die Stärke auf mehr Aktien aus (gut), oder die wenigen starken Aktien geben auf (schlecht).

Was du daraus lernen kannst

Wenn du gerade erst anfängst dich für Börse zu interessieren, merke dir:

  1. Nicht alles was steigt ist gesund — Indizes können steigen während die meisten Aktien fallen
  2. Extremes Pessimismus ist oft ein Kauf-Signal — wenn alle Angst haben, sind die Preise oft niedrig
  3. Profis arbeiten mit Zahlen die du nicht siehst — Put/Call-Ratio, VIX, Market Breadth sind Werkzeuge die echte Stimmung messen

Aktuell stehen wir an einem Punkt wo Profis vorsichtig werden. Das bedeutet nicht dass der Markt morgen crasht — aber es bedeutet dass die nächsten Wochen volatil werden könnten.

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Vergangene Wertentwicklungen sind kein Indikator für künftige Ergebnisse.

Quellen

BeInOptions Research

Häufig gestellte Fragen

Was ist das Put/Call-Ratio?

Das Put/Call-Ratio misst wie viele Menschen auf fallende Kurse (Puts) vs. steigende Kurse (Calls) wetten. Ein Wert von 1,28 bedeutet: für jeden Optimisten gibt es 1,28 Pessimisten. Normal ist 0,7 bis 1,0.

Warum steht der S&P 500 bei Rekorden wenn alle pessimistisch sind?

Nur wenige große Tech-Aktien (NVIDIA, Microsoft, Apple) treiben den Index nach oben. Die Mehrheit der 500 Unternehmen schwächelt — das nennt man schwache Market Breadth. Solche Phasen sind oft instabil.

Ist ein hohes Put/Call-Ratio ein Verkaufs-Signal?

Paradoxerweise oft das Gegenteil. Wenn alle schon abgesichert oder ausgestiegen sind, bleiben nur noch Käufer übrig. Historisch führten Put/Call-Ratios über 1,2 oft zu Kurs-Erholungen innerhalb von 2-4 Wochen.

Was ist Market Breadth?

Market Breadth misst wie viele Aktien in einem Index tatsächlich steigen. Aktuell sind nur 60% der S&P 500-Aktien in einem Aufwärtstrend — trotz Rekord-Index. Das ist ein Warnsignal dass die Rallye von wenigen Gewinnern getragen wird.

Was sollte ich als Anfänger jetzt tun?

Nichts überstürzen. Extreme Put/Call-Werte und schwache Breadth bedeuten höhere Volatilität in den nächsten Wochen. Wer investieren will sollte langsam einsteigen (Cost Averaging) statt alles auf einmal zu kaufen. Wer schon investiert ist: nicht in Panik verkaufen nur weil Profis absichern.

Wichtige Options-Begriffe

Kurze Auffrischung der Begriffe, die in Options-Meldungen wie dieser immer wieder auftauchen.

Implizite Volatilität (IV)
Die vom Markt erwartete Schwankungsbreite. Steigende IV verteuert Optionen, fallende IV verbilligt sie. IV-Guide
Die Greeks
Delta, Gamma, Theta und Vega messen, wie eine Option auf Kurs, Zeit und Volatilität reagiert. Greeks erklärt
Open Interest
Die Zahl der offenen Kontrakte. Hohes Open Interest an einem Strike markiert eine wichtige Preismarke. Optionskette lesen
Prämie
Der Preis einer Option. Verkäufer vereinnahmen sie, Käufer zahlen sie für das Recht zu handeln. Grundlagen
Ausübung & Zuteilung
Was am Verfallstag geschieht, wenn eine Option im Geld liegt und tatsächlich abgerechnet wird. Mehr dazu
Definiertes Risiko
Strategien wie Spreads, bei denen der maximale Verlust von Anfang an feststeht. Strategien

Optionshandel & News – kurz erklärt

Wie beeinflussen Nachrichten wie diese den Optionspreis?

Nachrichten wirken vor allem über die erwartete Schwankungsbreite: Steigt die Unsicherheit, steigt meist die implizite Volatilität und damit die Prämie – oft unabhängig von der Kursrichtung.

Muss ich auf eine Kursrichtung wetten, um zu profitieren?

Nein. Strategien mit definiertem Risiko wie der Iron Condor oder ein Covered Call setzen eher auf Volatilität und Zeitwert als auf eine exakte Richtung.

Ich bin Einsteiger – wo fange ich an?

Beginnen Sie mit unserem Anfänger-Leitfaden und dem Glossar, bevor Sie reales Kapital einsetzen.

Daniel Berg

Chefredakteur

Options-Aufklärer

20++ Jahre

Daniel Berg ist ein ganz normaler Typ aus einer mittelgroßen deutschen Stadt. Über zwanzig Jahre hat er im Vertrieb eines Maschinenbau-Mittelständlers gearbeitet – Finanzen waren nie sein Beruf, sondern seine teure Lehre. Im Jahr 2000 steckte er sein erstes Erspartes in die "Volksaktie" T-Aktie, kaufte bei fast hundert Euro und sah sie bis auf acht Euro fallen. Am Neuen Markt verbrannte er danach nochmal Geld. Erst mit Mitte dreißig fing er ruhig und langweilig an – breiter ETF, Geduld, keine heißen Tipps. Bei BeInOptions gibt Daniel genau diese Lektion weiter: keine Wunderrenditen, sondern verständliche Aufklärung über Optionen, Risiko und langfristiges Investieren. "Ich verkaufe keine Träume. Ich erkläre die Werkzeuge – und die Fehler, die ich selbst gemacht habe."

Expertise:Long-Term InvestingOptions EducationRisk AwarenessETF PortfoliosBehavioral Finance
Verifizierter Experte
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