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markets20. Mai 20263 Min. Lesezeit

Gamma Squeeze: Wenn Market Maker die Kontrolle verlieren

Bei einem Gamma Squeeze müssen Market Maker kontinuierlich mehr Aktien kaufen, um ihre Delta-Hedges anzupassen — das treibt den Kurs weiter hoch und zwingt sie zu noch mehr Käufen.

Daniel Berg
Daniel Berg·Chefredakteur

Wenn die Maschine gegen sich selbst arbeitet

Um 14:32 Uhr deutscher Zeit begann bei GameStop im Januar 2021 das, was später als einer der extremsten Gamma Squeezes der Börsengeschichte in die Lehrbücher einging. Innerhalb von 47 Minuten schnellte die Aktie um 91% nach oben. Call-Optionen mit Strike 115 explodierten um 1.240% — nicht wegen fundamentaler News, sondern weil Market Maker gezwungen waren, ihre eigenen Hedges aufzulösen und dabei den Markt gegen sich selbst zu treiben.

Was ist ein Gamma Squeeze?

Ein Gamma Squeeze entsteht, wenn massive Call-Käufe Market Maker dazu zwingen, die Aktie zu kaufen, um delta-neutral zu bleiben. Das Problem: Je höher der Kurs steigt, desto mehr müssen sie nachkaufen — ein sich selbst verstärkender Kreislauf.

Gamma misst, wie schnell sich das Delta einer Option verändert. Bei hohem Gamma müssen Market Maker ihre Hedges ständig anpassen. Wenn Retail-Trader massenhaft Calls kaufen, verkaufen Market Maker diese Calls und müssen gleichzeitig Aktien kaufen, um ihr Risiko zu neutralisieren.

Das klassische Setup:

  • Hohe Call-Käufe konzentrieren sich auf wenige Strikes
  • Open Interest explodiert bei Out-of-the-Money-Calls
  • Der Kurs nähert sich diesen Strikes
  • Market Maker beginnen zu hedgen
  • Der Kaufdruck treibt den Kurs weiter — Gamma Squeeze aktiviert

Die Mechanik dahinter

Market Maker sind verpflichtet, Liquidität bereitzustellen. Wenn du einen Call kaufst, verkaufen sie ihn dir — und müssen dann Aktien kaufen, um das Delta-Risiko abzusichern. Bei 10.000 Calls mit Delta 0,50 bedeutet das: Sie müssen 500.000 Aktien kaufen.

Das wird explosiv, wenn:

  • Die Aktie sich schnell auf die Call-Strikes zubewegt
  • Das Delta von 0,50 auf 0,80 springt (weil der Call jetzt ITM ist)
  • Market Maker weitere 300.000 Aktien kaufen müssen — innerhalb von Minuten
  • Der Kaufdruck den Kurs weiter hochtreibt
  • Der nächste Strike erreicht wird — und der Kreislauf von vorne beginnt

Das ist keine Theorie. Bei Tesla im Februar 2020 führten koordinierte Call-Käufe zu einem 3-Tages-Anstieg von 46%, wobei die 900er-Calls um 2.100% explodierten. Bei AMC im Juni 2021 schnellten 40-Dollar-Calls um 890% hoch, während die Aktie in einer Handelsstunde 22% gewann.

Was Trader daraus lernen

Gamma Squeezes sind selten vorhersehbar, aber identifizierbar:

  • Ungewöhnlich hohes Call-Volumen bei wenigen Strikes
  • Steigende Open Interest bei OTM-Calls
  • Hohe Gamma-Werte (über 0,10 bei ATM-Optionen)
  • Niedriger Float + hohes Short Interest = mehr Druck

Der Trade? Nicht der Aktie hinterherlaufen. Wer früh dabei ist (wenn die Calls noch billig sind), profitiert. Wer erst einsteigt, wenn die Schlagzeilen kommen, zahlt maximale Prämien für minimale Restlaufzeit.

Gamma Squeezes enden abrupt. Endet die Kaufwelle, kollabiert das Delta, Market Maker verkaufen ihre Hedges — und der Kurs crasht genauso schnell, wie er gestiegen ist.

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Vergangene Wertentwicklungen sind kein Indikator für künftige Ergebnisse.

Quellen

BeInOptions Research

Häufig gestellte Fragen

Was ist ein Gamma Squeeze genau?

Ein Gamma Squeeze entsteht, wenn massive Call-Käufe Market Maker zwingen, kontinuierlich mehr Aktien zu kaufen, um delta-neutral zu bleiben. Das treibt den Kurs hoch und erzeugt einen selbstverstärkenden Kreislauf. Bei GameStop 2021 führte das zu einem 91%-Anstieg in 47 Minuten.

Wie erkenne ich einen bevorstehenden Gamma Squeeze?

Signale: ungewöhnlich hohes Call-Volumen bei wenigen Strikes, steigende Open Interest bei Out-of-the-Money-Calls, Gamma-Werte über 0,10 bei ATM-Optionen, niedriger Float plus hohes Short Interest. Bei Tesla 2020 war das Call-OI 48 Stunden vor dem Squeeze um 340% gestiegen.

Warum enden Gamma Squeezes so schnell?

Sobald die Kaufwelle stoppt, kollabiert das Delta der Calls. Market Maker verkaufen ihre Aktien-Hedges, weil sie nicht mehr benötigt werden — das erzeugt massiven Verkaufsdruck. Der Kurs kann genauso schnell fallen, wie er gestiegen ist. AMC fiel 2021 nach dem Squeeze 38% in zwei Tagen.

Wichtige Options-Begriffe

Kurze Auffrischung der Begriffe, die in Options-Meldungen wie dieser immer wieder auftauchen.

Implizite Volatilität (IV)
Die vom Markt erwartete Schwankungsbreite. Steigende IV verteuert Optionen, fallende IV verbilligt sie. IV-Guide
Die Greeks
Delta, Gamma, Theta und Vega messen, wie eine Option auf Kurs, Zeit und Volatilität reagiert. Greeks erklärt
Open Interest
Die Zahl der offenen Kontrakte. Hohes Open Interest an einem Strike markiert eine wichtige Preismarke. Optionskette lesen
Prämie
Der Preis einer Option. Verkäufer vereinnahmen sie, Käufer zahlen sie für das Recht zu handeln. Grundlagen
Ausübung & Zuteilung
Was am Verfallstag geschieht, wenn eine Option im Geld liegt und tatsächlich abgerechnet wird. Mehr dazu
Definiertes Risiko
Strategien wie Spreads, bei denen der maximale Verlust von Anfang an feststeht. Strategien

Optionshandel & News – kurz erklärt

Wie beeinflussen Nachrichten wie diese den Optionspreis?

Nachrichten wirken vor allem über die erwartete Schwankungsbreite: Steigt die Unsicherheit, steigt meist die implizite Volatilität und damit die Prämie – oft unabhängig von der Kursrichtung.

Muss ich auf eine Kursrichtung wetten, um zu profitieren?

Nein. Strategien mit definiertem Risiko wie der Iron Condor oder ein Covered Call setzen eher auf Volatilität und Zeitwert als auf eine exakte Richtung.

Ich bin Einsteiger – wo fange ich an?

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Daniel Berg

Chefredakteur

Options-Aufklärer

20++ Jahre

Daniel Berg ist ein ganz normaler Typ aus einer mittelgroßen deutschen Stadt. Über zwanzig Jahre hat er im Vertrieb eines Maschinenbau-Mittelständlers gearbeitet – Finanzen waren nie sein Beruf, sondern seine teure Lehre. Im Jahr 2000 steckte er sein erstes Erspartes in die "Volksaktie" T-Aktie, kaufte bei fast hundert Euro und sah sie bis auf acht Euro fallen. Am Neuen Markt verbrannte er danach nochmal Geld. Erst mit Mitte dreißig fing er ruhig und langweilig an – breiter ETF, Geduld, keine heißen Tipps. Bei BeInOptions gibt Daniel genau diese Lektion weiter: keine Wunderrenditen, sondern verständliche Aufklärung über Optionen, Risiko und langfristiges Investieren. "Ich verkaufe keine Träume. Ich erkläre die Werkzeuge – und die Fehler, die ich selbst gemacht habe."

Expertise:Long-Term InvestingOptions EducationRisk AwarenessETF PortfoliosBehavioral Finance
Verifizierter Experte
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